26.05.22

Ellmauer Halt (2.344 m) via Kopftörlgrat (IV-)

 

Über den Kopftörlgrat auf die Ellmauer Halt, den höchsten Kaisergipfel, steht im Alpenvereinsführer Kaisergebirge (1978) geschrieben: "[...] ausgesprochen interessante, anregende Kletterei mit schönen Ausblicken nach N und S, schönste Gratüberschreitung im Kaiser, meist fester Fels, [...]". Im damaligen Führer ist die Schwierigkeit der Führe mit III bewertet, heute wird eine Stelle der letzten Seillänge durch einen Kamin auf die Ellmauer Halt eher im unteren vierten Grat verortet. 

Die Vorfreude auf die Tour wird nur durch die schwankende Wettervorhersage getrübt, die sich schlußendlich bei durchwachsenem, zumindest stabilem Wetter einpendelt, das es für diese Unternehmung, die "in ihrer Länge häufig unterschätzt" werde (DAV Führer), benötigt. Da wir uns größtenteils auf die ca. 1.400 Klettermeter der Tour konzentrieren und diese genießen möchten, sind eingeschränkte Aussicht und spärliche Sonnenstunden nicht ausschlaggebend für ein schönes Erlebnis am Berg, das uns diese klassische Gratüberschreitung, erstbegangen von G. Leuchs im Alleingang am 25. Juni 1900, heute beschert.

Los geht es am Parkplatz der Wochenbrunner Alm, erreichbar über eine kostenpflichtige Mautstraße (EUR 5,00), um 8 Uhr. Wir folgen der Beschilderung an der Gaudeamushütte vorbei in einem weiten Bogen ...

... bei zunächst noch einladendem Wetter ...

... hinauf zur Gruttenhütte (1 h).

 
Ab hier wird der Beschilderung zur Ellmauer Halt / Kopftörl hinein in die Wolkensuppe gefolgt. Bald erhaschen wir die ersten (und letzten) Blicke unseres Grats ...
 
 
... und es sind einige Schneefelder zu queren ...

Kopftörlgrat

... auf dem teils ...

... drahtseilversicherten Steig hoch ...


... ins Kopftörl.

Hier machen wir Vesperpause und legen unsere Gurte an. Währenddessen kommt eine weitere Seilschaft aufgestiegen und steigt nach kurzem Austausch in den Grat ein. Wir folgen ihnen nach ca. 20 Min durch den schönen 12 m Einstiegskamin ...

Einstiegskamin links von Joseph

... nach dem eine lange südseitige Querung in Gras und Schrofen folgt ...

... bis zu einem engen Felsdurchschlupf, ...

... hinter dem es durch ein Rinnenssystem mit vereinzelten, kurzen IIIer-Stellen zum Grat in die Scharte zwischen erstem und zweitem Turm hoch geht.

 Nach dem zweiten Turm wird auf Bändern ...

... und durch eine Rinne ...

... in die Scharte vor dem dritten Turm abgestiegen. Hier treffen wir auf die vorausgestiegene Seilschaft, die in der Scharte anseilt. Da es für uns ohne Seil weitergeht, überholen wir nach Absprache. Den Rest des Wegs werden wir uns nicht mehr in die Quere kommen.

An einer schönen Kante geht es den nächsten Aufschwung hinauf und hinter einem Türmchen von der Nordseite ...

... an den nächsten IIIer Aufschwung in einer Kaminrinne.


Da der Kamin am Klemmblock noch feucht ist, ist die Kletterei ziemlich rampfig und es wird sich mit verschiedensten Körperstellen hochgewuchtet.

Der Gipfel des dritten Turms wird abermals in der Südseite umgangen, ...

 
 
... wobei eine ausgesetzte Passage an schönen Griffleisten zu bewältigen ist.
 

Danach geht es in schöner Kletterei im dritten Grad ...



... auf den vierten Turm ...

... mit Rettungsbox.

Von diesem wird im Anschluss in Schrofen und Schichtfugen in der Südseite einfach bis zu einem Felsspalt abgestiegen.

Der Spalt endet ausgesetzt an einem Podest (Stand), unter dem es senkrecht in eine Rinne abbricht. Wir seilen an ...


... und ich klettere die absteigende Querung vom Podest in die nächste Scharte gesichert rüber. Die Schwierigkeit wird im Topo mit III beschrieben, wobei es uns beiden nicht so schwierig vorkommt. Es sind jederzeit sehr gute Griffe und Tritte sowie einige Schlaghaken vorhanden.


Die Rinne unter der ausgesetzten Querung

Beim Nachsichern versuche ich die Zeichen in der Turmwand zu entschlüsseln

Aus der Scharte geht es in einer langen Seillänge III-, die wir am langen Seil gehen, ...


Rückblick über III- Seillänge und den vorherigen Turm

... an den nächsten Aufschwung in einer seichten Verschneidung (III+). Wir sichern diese schön zu kletternde Seillänge ebenfalls.


Rückblick III+ Seillänge

Über der Verschneidung wird auf einem Band nach links gequert und ...

... über die Gratkante in die Südflanke des sechsten Turms ausgestiegen.

Ellmauer Halt

Hier könnte man in der Südseite zum Normalweg der Ellmauer Halt queren oder auf der Nordseite eine letzte Seillänge (III+/IV-) in einem feuchten Kamin anhängen.

Die Schlüsselstelle findet sich beim Einstieg nach links in den Kamin (lange Exe) und nach links (verdeckt) aus diesem heraus.

Nach der letzten Seillänge steigt man direkt am Gipfel der Ellmauer Halt (2.344 m) aus.


Nach einer Vesperpause machen wir uns auf den teils mit Klettersteiganlagen versehenen Abstieg.

Die gesamte Südflanke der Ellmauer Halt und des zuvor begangenen Grats wird ab hier unter den Wolken zurück gequert ...






... bis wir im Kar auf den am morgen begangenen Steig treffen. Diesem folgen wir zur Gruttenhütte, wo wir auf Getränke einkehren. 

Zuletzt geht es in einer knappen halben Stunde von der Hütte mit Blick auf den SO-Grat des Tuxecks ...


... zur Wochenbrunner Alm hinunter.

Gehstrecke (GPS): 13,82 km mit 1.380 hm
Gehzeit: 7,5 h

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