22.09.21

Mitterkaiser Nordgipfel (1.913 m) Nordwand (III) und Überschreitung Mitterkaiser Hauptgipfel (2.011 m) (III-)

Die Nordwand des Mitterkaisers steht nach dem Bericht von Hans schon länger auf meiner Liste. Bei unserer Tour auf das benachbarte Lärchegg erhalte ich von Moritz ausführliche Informationen zur Route und die beeindruckende Wand übt eine derartige Anziehung auf mich aus, dass ich eine gute Woche später in den östlichen Kaiser zurückkehre. Ich freue mich sehr auf die Begehung und verspreche mir viel von der Führe, da diese für unsere Gefilde einzigartige Eigenschaften aufweist. Wo sonst kann man nach nur 700 m Zustieg über 1.500 m im anhaltenden II. - III. Grad in einer 800 m hohen Wand krxln, die kaum Begehung erfährt, aber ausreichend markiert ist, dass man sich um die Wegfindung nicht kümmern muss und stattdessen die wunderschöne Landschaft und atemberaubende Atmosphäre einer mächtigen Nordwand genießen kann? Ich kann vorwegnehmen, dass meine Erwartung übertroffen wird und diese Bergfahrt zu den schönsten zählt, die ich bisher unternehmen durfte.

Los geht es wieder an der Parkbucht nach der Latschenbrennerei im Kaiserbachtal (Mautstraße). Das Mauthäuschen ist diesmal bei meiner Ankunft um 8 Uhr bereits besetzt. 

Im Tal hängen in der kalten Luft noch Nebelschwaden und hüllen die Berge in ein verheißungsvolles Gewand.

Predigtstuhl Nordgrat

Mitterkaiser Nordostwand

Ich wechsele über die nahe Brücke auf den Forstweg auf der Südseite des Kaiserbachs. Nach kurzer Zeit (ca. 700 m von der Brücke auf ca. 975 m Höhe) weist ein roter Pfeil und ein Steinmann den Weg in ein trockenes Bachbett linkerhand.

Das großblockige Bachbett führt in wunderschönem Gelände ...

... in einem Linksbogen zum Fuß der mächtigen Preußschlucht, die die Nordwand des Mitterkaisers teilt.

Rückblick durch das Zustiegsbachbett

Kurz vor dem Wandfuß mit der Schlucht weist die zweite Markierung den Weg über schuttbedeckten, kompakten Fels ...


Rückblick über die ersten Klettermeter ins Bachbett

Fuß der mächtigen Preußschlucht

... zum Beginn einer steilen, schrofigen Rampe.

Ein Rückzug hinunter ins Bachbett wäre nach dem ersten Felsriegel nicht mehr spaßig, da es sich um steilen, schuttüberzogenen und auch brüchigen Fels handelt - wovon auch ein Abseilstand in ca. 30 - 40 m Höhe zeugt.

Sobald man aus dem Bachbett in die Rampe einsteigt, sollte man sich seiner Sache sicher sein. Da ich heute alleine unterwegs bin, keinerlei Rückzugsmaterial mitführe, mir die Situation hier bewußt wird und das nasse Gras und die brüchigen Schrofen auf der wirklich steilen Rampe nicht gerade ein Gefühl von Sicherheit vermitteln, machen sich Zweifel in meinem Kopf bemerkt.


In der Hoffnung auf lohenderes Gelände nach der Rampe setze ich meinen Weg den Markierungen folgend eher links in der Nähe der Latschen fort ...


... und bin froh bald an das Ende der Rampe zu gelangen.

Rückblick vom Ende der Rampe

Hier geht es links durch eine Latschengasse ...

... zu einer grasigen Rinne, ...

... die zu einem Quergang zurück nach Westen (rechts) führt.

Unter beeindruckenden Platten quere ich ...

... zu einigen freistehenden Bäumen ...


Rückblick über die Querung nach Westen

... und weiter Richtung Preußschlucht.


Predigtstuhl

In schrofigem Gelände kurz vor dieser ...

... geht es nun endlich in einer Rinne an annehmbaren Fels.


Blick zum Stripsenjoch

Linkshaltend geht es kurzweilig aus der Rinne ...

... in exponiertes Gelände, ...

... das nach links um eine Kante ...

... stark exponiert, ...

... gequert wird. Hinter einem kleinen Aufschwung ...

 
... geht es kurz gerade hoch ...

... bevor abermals ...

... weiter nach links gequert wird.

Die Ausgesetztheit nimmt in der folgenden, brüchigen Rinne wieder ab.

Botanisch geht es über eine die Rinne versperrende Latsche.

In schönem Gelände ...

... geht es weiter anregend, ...

... in für den Kaiser weiterhin mäßigem Fels, ...

... aufwärts zu einer weiteren Querung.


Entlang kompakter Wände wird wieder Richtung Preußschlucht gequert ...

... und überhalb ...

... zurück nach links ...


... zum Fuß einer Schlucht.

 
In kompaktem Fels, der weiterhin sorgfältig zu prüfen ist, geht es im II. - III. Grad die Schlucht hinauf, die steilere Abschnitte aufweist, als es von unten zunächst den Anschein hat.
 

Rückblick durch die Schlucht

Rückblick durch die Schlucht

Oben geht es unter einem Klemmblock ...


... durch die sich mittlerweile zu einer Rinne verengte Schlucht ...


 
... zu einem großen Latschenfeld, das zum jenseitigen Schrofenkessel bei der Preußschlucht durch eine ausgeschnittene Gasse gequert wird.


 
Im Kessel hält man sich rechts ...

 
... an beeindruckenden Schichtfugen vorbei ...



... zu einer parallel neben der Preußschlucht verlaufenden Rinne, ...


... die gleich wieder in eine Schichtfugenrinne nach links verlassen wird.


Diese geht es nun steil hinauf.


Die Rinne wird vor einem Klemmblock auf die links begrenzende Fuge verlassen (III) und hinter diesem weiterverfolgt ...


... bis man an derem Ende ...


... unter dem Gipfelaufbau des Nordgipfels ...

... direkt am Abbruch der Ostwand zum Kleinen Griesener Tor ...

... aus der Wand aussteigt.

Lärchegg und Gamsfluchten

Gamsfluchten und verhüllte Ackerlspitze

Über den teils latschenbewachsenen Grat geht es unschwierig ...


... an den Gipfelaufbau, ...


... der noch einmal mit steilen Rinnen (II+/III-) aufwartet.


Rückblick zum kurzen Grat, an dessen Ende (links) ich aus der Wand ausgestiegen bin.

Kurze Zeit später stehe ich am Gipfelkreuz des Mitterkaiser Nordgipfels.


Predigstuhl und Vordere und Hintere Halt

Mitterkaiser Hauptgipfel

Wenige Meter südlich vom Gipfelkreuz, direkt wo ich aus der Rinne im Aufstieg ausstieg, zieht auf der anderen Seite des Grats, also südwestlich, eine plattige Rinne abwärts. Durch diese vollzieht sich der Abstieg. Ein Abseilstand ist oberhalb eingerichtet.

Die Rinne gliedert sich in Stufen. Die oberste Stufe ist die steilste und mit Abstand schwierigste, alles darauf in der Rinne folgende ist deutlich leichter. Hier probiere ich eine Weile bis ich eine Lösung finde, die zumindest für mich zunächst nicht offensichtlich ist.


Die oberste Stufe wartet mit einem Überhang und einer sehr glatten Begrenzungswand auf.

Vom Fuß der Rinne ...

... quert man horizontal über Platten ...

... zurück zum Grat.

Rückblick zur noch zur erahnenden Abstiegrinne (Bildmitte)
 
Am Grat wird der nächste Zacken ...

 
... in ausgesetzten Schrofen westlich (rechts) umgangen.

 
Das unmittelbar folgende Türmchen wird unproblematisch, aber ausgesetzt erstiegen und am Ende ostseitig bei einer Latsche (Abseilstand) abgestiegen. Dabei verdeckt die Latsche zunächst die unmittelbar darunter befindlichen guten Tritte und Griffe.

Unmittelbar unter der Latsche finden sich gute Tritte und Griffe.

Nun geht es ostseitig am folgenden Aufschwung entlang ...


... zu einer deutlich sichtbaren Rampe.



Lärchegg

Rückblick zum Nordgipfel mit Abstiegsrinne in der Bildmitte und den zu überkletternden Türmchen im Vordergrund

Zwischen Rampe und Wand ...


Rückblick Nordgipfel

... geht es in einer Rinne ...


... bis zu einer nach Osten runterziehenden Schlucht. Hier setzt eine Rinne mit zwei großen Klemmblöcken nach rechts oben an, durch die es ...


... mit einem interessanten, fordernden Ausstieg ...


... direkt in die Scharte zwischen den beiden Hauptgipfeln geht. Ich steige zunächst zum höheren nördlichen Gipfel mit Steinmann ...


Gipfelkreuz des Hauptgipfels vom höheren nördlichen Gipfel.


In wenigen Minuten geht es zum Kreuzgipfel, ...

 

... wo ich bei eingeschränkter Aussicht die erste Pause des Tages einlege. Die Anspannung fällt, im Wissen, dass die schwierigen Abschnitte gemeistert sind, ab und ich genieße mein Vesper und die Stille.

Blick zum geringfügig höheren Gipfel des Mitterkaisers mit Steinmann

Predigtstuhl

Verhüllte Halten

Kleinkaiser vor Kleinem Törl

Lärchegg im Zoom


Lärchegg und Gamsfluchten

Blick nach Kössen

Nach der Pause geht es südlich am Grat (der neu angelegte Weg führt hinunter in die Flanke und dann wieder hoch zum Grat --> besser oben bleiben) ...

... bis zum Abzweig in die Flanke, ...

... wo man durch ein Latschenfeld ...

... zur Abstiegsrinne (I) ins Große Griesener Tor gelangt.

Die Rinne geht es unschwierig hinunter ...


... und über die Fritz-Pflaum-Hütte ...


Kleinkaiser

... auf dem Wanderweg im Großen Griesener Tor ...
 

Rückblick Mitterkaiser Hauptgipfel

... hinunter ...

Nord- und Hauptgipfel des Mitterkaisers




Predigtstuhl, Fleischbank und Totenkirchl Nordgrate

Mitterkaiser: In der Wand links der Preußschlucht ist die gesamte Route durch die Nordwand einsehbar. Links unten sieht man die steile Einstiegsrampe. In der Folge geht es im Zickzack von Latschenterasse zu Latschenterasse.


Mitterkaiser Nordgipfel Nordwand

... vorbei am Abzweig ins Bachbett ...


... mit einem letzten Blick hinauf ...

 
... zurück zum Ausgangspunkt. 

Strecke: 12,5 km mit 1.300 hm
Zeit (mit Pause): 7 h

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