04.10.20

Bäralplkopf (2.325 m), Vordere (2.354 m) und Hintere (2.477 m) Schlichtenkarspitze und Vogelkarspitze (2.523 m)

 

Heute steht mir der Sinn nach einer entspannten, stressfreien Herbstwanderung, auf der ich die wunderbare Landschaft im Wechsel der Jahreszeiten ohne Ablenkung genießen kann. Ein geeignetes Ziel ist mit dem Grat zwischen Bäralplkopf und Vogelkarspitze im geliebten Karwendel schnell gefunden. Bereits 2018 wollte ich diese Tour mit Freddy gehen, allerdings fühlte er sich im starken Föhn, der für heute auch wieder angesagt ist, nicht nach einer Begehung des weglosen Grats. Die erneute Föhnvorhersage, das frühe Aufstehen am Wochenende und die Fahrerei lassen mich kurz am Vorhaben zweifeln, aber zum Glück entscheide ich mich dann doch relativ spontan für den Aufbruch ...

Im Gegensatz zur Rück- verläuft die Hinfahrt problemlos und 1,25 h nach Aufbruch im Münchener Osten erreiche ich den Parkplatz an der B2 zwischen Mittenwald und Scharnitz, wo bei meiner Ankunft grade der Mond hinter den Bergen verschwindet.

Zwei weitere Kameraden bereiten sich am Parkplatz auf das Ritual der morgendlichen Radfahrt von deutscher Seite ins Karwendel vor. Beide - wie ich selbst auch - allein im Auto angereist. Ein Zustand, der mir die egoistisch billigende Umweltbelastung unserer priviligierten Bergunternehmungen deutlich vor Augen führt, mir zunehmend mißfällt und mich an deren Sinnhaftigkeit zweifeln läßt!

Am Parkplatz ist es sehr frisch und es weht ein ordentlicher Wind. Schnell die Sachen geordnet und rauf aufs Radl, auf dass es beim Strampeln schneller wärmer werde, was dann bei der Auffahrt ins Karwendeltal auch eintritt.

Nach dem ersten Anstieg öffnet sich bald das morgendliche Tal, die ersten Gipfel sind in Sonnenlicht getaucht und die Frage nach dem "warum" ist beantwortet.

Bald kommt auch die heutige Unternehmung ins Sichtfeld.

In Verlängerung der Straße sieht man vlnr Bäralplkopf, Schlichtenkarspitzen und Vogelkarspitze.
 
Nach einer weiteren Steigung parke ich nach genau einer Stunde das Rad beim Abzweig einer Forststraße kurz vor der großen Freifläche der Angeralm. Auf der Forststraße beginnt die Wanderung ...

 
... mit ersten Blicken zu den wolkenverhangenen Ödkarspitzen ...


... und Breitgrießkar-, Riedlkar-, Larchetkar- und Pleisenspitze.

 
Wo ein Geröllfeld an die Forstraße heranreicht, steige ich heute direkt über dieses auf den alten Jadsteig zum Bäralplsattel hoch, da man auf der normalerweise linksseitigen Umgehung des Geröllfelds über eine Wiese sich heute morgen schnell naße Füße holen würde. 
 
Auf dem wunderbaren Jagdsteig geht es bei moderater Steigung angenehm hoch ...

The seasons are a-changin' ...
 
... und es öffnen sich erste Blicke über die Baumkronen im Talgrund ins schattige Karwendeltal ...

 
... und zur Raffelspitze.

 
Die fehlenden Drahtzäune am Bäralplsattel weisen ebenfalls darauf hin, dass es schon später im Jahr ist.

 
Über dem Bäralplsattel thronen beeindruckend die südwestlichen Abbrüche ...


... des Bäralplkopfs.


Rückblick zur Hauptkette
 
Im Westen schließt die Raffelspitze mit ihrem Ostgrat an den Bäralplsattel an.



Südlich unter den Steilschrofen/Abbrüchen des Bäralplkopfs geht es ...


... durch eine breite Latschengasse normalerweise ...

 
... bis zu den sanften Wiesen, die vom Gipfel des Bäralplkopfs nach Süden herunterstreichen und über die man zwar anstrengend, aber problemlos direkt aufsteigen kann. Schon vom Bäralplsattel sahen die südwestlichen Abbrüche - also der direkte Weg vom südlichen Bäralplsattel zum Bäralplkopf - verlockend aus. Da es heute entspannt bleiben soll, ich es aber nicht sein lassen kann, umgehe ich als Kompromiß den ersten Aufschwung östlich (rechts) und quere oberhalb auf den ersten Absatz nach Westen zurück (Anmerkung: Der so erreichte Südwestgrat des Bäralplkopfs unterscheidet sich vom direkten Westanstieg zum Bäralplkopf, der am nördlichen Bäralplsattel beginnt).

Hier quere ich zur Kante in der linken Bildmitte.

Hinten sieht man das Wiesengelände, in dem problemlos zum Bäralplkopf aufgestiegen werden kann.

Erste leichte Krxlstellen mischen sich unter ...


Auf dem Absatz über den Abbrüchen zum Bäralplkopf
 
... und bald erreiche ich die Abbruchkante ...

 
... in beeindruckender Höhe über dem nördlichen Bäralplsattel.



In einer Rinne mit Klemmblock (II) ...


... geht es auf den nächsten Absatz. Immer an der Kante weiter ...


... stehe ich bald vor dem finalen Aufschwung zum flachen Gipfelgrat. Es gibt hier mehrere Möglichkeiten, die augenscheinlich und nach kurzem Antesten mindestens einen guten IIIer fordern: links an der Kante (sehr) ausgesetzt über Platten mit Bröselauflage oder zwei ziemlich steile Rinnen jeweils mit sperrenden Klemmblöcken bestückt.

Übersicht finaler Aufschwung: links über Platten oder die mittige und rechts verdeckte Rinne sind die nicht untrivialen Möglichkeiten.

Da ich heute sowieso auf Relaxmodus eingestellt bin, mich frage, warum es bereits wieder schwieriger als nötig ist und mir keine der Möglichkeiten im stark ziehenden und zerrenden Föhn zusagt, steige ich am Fuß der rechten Rinne um den Fels und, siehe da, es öffnet sich eine weitere, viel freundlichere Rinne.


Blick ins Karwendeltal vom Fuß der Rinne
 
Nach der Rinne folgt ein beeindruckender Kessel, ...

 
... der mit schönem Krxlgelände aufwartet und  ...


... durch den der kalte Wind nur so durchpfeift.
 

Rückblick aus dem Kessel


Über Grashänge ...

 
... erreiche ich oberhalb des Kessels in wenigen Metern ...


... die Grathöhe, ...

Rückblick zu Bäralplsattel, Raffel- und Hochkarspitze

... über die es eben zum höchsten Punkt des Bäralplkopfs geht.


Vlnr: Bäralplkopf, Schlichtenkarspitzen, Vogelkar- und Östliche Karwendelspitze



Hier sieht man den steilen direkten Anstieg über die Westflanke des Bäralplkopfs vom nördlichen Bäralplsattel
 
Es öffnen sich wunderbare Blicke in alle Richtungen, aber leider ist es durch den starken Föhn dermaßen kalt, dass an eine längere Rast nicht zu denken ist.


Soierngruppe und Galgenstangenkamm

Vorkarwendel

Ich lege alle mitgebrachten Schichten an und wandere am herrlichen Kamm weiter.



Blick nach Norden zu den Steinkarspitzen

Zoom Steinkarspitzen

Rückblick zum Bäralplkopf

Einfach und wunderschön geht es zur Vorderen Schlichtenkarspitze dahin.



Rückblick Bäralplkopf

Blick Richtung Vorderriß

Wilde Nordseite der Vogelkarspitze

Galgenstangenkamm

Rückblick Bäralplkopf mit Soierngruppe

Rückblick Bäralplkopf mit Karwendeltal

Von der Hinteren Schlichtenkarspitze ...


 
... geht es etwas schuttig ...

 
... in die Scharte ...


Rückblick Hintere Schlichtenkarspitze
 
... vor der Vogelkarspitze.


Östliche Karwendelspitze links
 
Im Aufstieg zu dieser wird einmal leicht in die Flanke nach Süden ausgewichen und bei erster Möglichkeit wieder an die Gratkante zurückgekehrt (I). 

 
Die Vogelkarspitze verfügt über drei beinah gleichhohe Gipfelchen.
 
 
Die Blicke vom zweithöchsten Gipfel der nördlichen Karwendelkette sind fantastisch!



Weitwinkel nach Norden



Die Höchsten des Karwendels

Westliche Hauptkette
 
Am Biwakplatz am Gipfelkreuz mache ich etwas windgeschützt Rast und beobachte die reinziehenden Wolken.


Ostgrat der Vogelkarspitze

Zoom Ostgrat
 
Nach der Gipfelpause geht es entlang der Abbruchkante zum Vogelkar in gut gangbaren Gelände ...


 
... den wiesigen Rücken ...



Vogelkarscharte und Östliche Karwendelspitze
 
... den vereinzelten Steinmännern folgend runter zum Übertritt ins Vogelkar. 

 
In der Folge wird das Vogelkar über den Latschen nach links bis an den Rücken der Östlichen Karwendelspitze gequert.

 
Im Vogelkar finden sich mehrere Gamsrudel, die sich für den Winter nähren. Ich gebe mir größte Mühe die grasenden Tiere nicht zu stören und zur Flucht zu bewegen, was mir auch gelingt. 


Rückblick zur Vogelkarspitze aus dem Vogelkar

Vogelkarscharte

Vogelkar Ostgrat im Zoom
 
Nach dem Verlassen des Vogelkars ...

 
... leiten zahlreiche Steinmänner auf den Steig ...


Rückblick Vogelkarspitze
 
... zur Hochalm.

 
Von dieser geht es monoton auf dem Fahrweg zum Karwendelhaus und den Abkürzern ...


... mit Rückblicken zum begangenen Grat ...



 
... durch die schöne herbstliche Landschaft ...

 
... neue Tourenpläne schmiedend ...


 
... zuletzt an der Angeralm vorbei ...



 
... zurück zum Ausgangspunkt.

 
Auf dem Radl rausrollend ...

 
... blicke ich mich noch einmal um und sag "Servus, bis nächstes Jahr!"

 
Gehstrecke: 13,5 km mit 1.462 hm
Gehzeit (mit Pausen): 7 h 
Radl (Hin- und Rückfahrt): 1,75 h

Nachwort: Auf der Rückfahrt kommt der Verkehr in Garmisch völlig zum Erliegen. Es geht weder vor- noch rückwärts. Hochmotorisierte Ungeduldsyuppies versuchen krampfhaft in gesperrte Anwohnerstraßen auszuweichen, um bloß schneller als alle anderen Wartenden sein zu können. Genervte Anwohner (absolut verständlich!) fahren auf der Gegenspur in entgegenkommenden Verkehr, um irgendwie vorwärts zu kommen. Auch auf der A95 staut es später immer wieder. Ich habe viel Zeit die Gedanken, die mich bereits morgens bei der Anreise beschäftigten, weiterzuführen. Wie soll es mit unser aller Bergen und dem Massenansturm weitergehen? Ich habe für mich, geschweige denn die Allgemeinheit, keine Lösung parat, aber ich merke, dass es nicht einfach wie bisher weitergehen kann. Über den Winter werde ich genug Zeit haben, um über verträglichere und genießbarere Wege in die Berge nachdenken zu können. Anregungen dazu nehme ich sehr gerne entgegen!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Griaß di Bulaf,

am besten mit dem ÖPNV in die Berge fahren. Deine hier vorgestellt Tour erreichst du mit der Werdenfelsbahn. Das Werdenfelsticket gilt auch unter der Woche schon ab Beginn der Betriebsaufnahme. Ein deutliches Plus gegenüber dem Bayernticket, was unter der Woche erst ab 09:00 Uhr gilt. Einzige Manko ist, das dass Werdenfelsticket in Richtung Innsbruck nur bis Mittenwald gilt, ansonsten ist das Werdenfelsticket mit + Innsbruck um 4€ teurer. In Richtung Ehrwald kannst du aber bis Reutte fahren. Ich habe in dieser Saison bereits 4 große Tagestouren zu Fuß ab Scharnitz mit der Bahn unternommen und zwar Hoher Gleirsch, Überschreitung aller drei Arnspitzen, Larchetkarspitze und Überschreitung Große Riedlkarspitze über Pleisenhütte. Alle vier Touren konnte ich ohne große zeitliche Probleme bewältigen. Am Wochenende hat man bei der Rückfahrt mit einem erhöhten Fahrgastaufkommen zu rechnen und wenn man sein Bike mit dabei hat, kommt es schon mal zu unschönen Szenen im Zug.

Pfiat di,
derMainzer

CF hat gesagt…

Servus Mainzer,

danke für deinen Kommentar! Ich habe mir in der Zwischenzeit bereits die An- und Abfahrtszeiten mit den Öffentlichen nach Scharnitz angeschaut. Zumindest Touren im westlichen Teil des Karwendel- und Hinterautals sollten in diesem Zeitfenster möglich sein. Schade natürlich, dass auch im Zug - so man sein Fahrrad mitführt - eine entspannte Fahrt wohl eher die Ausnahme scheint.

Beste Grüße,

Carsten

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