23.06.20

Gerberkreuz (2.300 m) Südwestgrat (8 SL, IV)


Nachdem uns das Krxln und der verlässliche Fels am Südwestgrat der Viererspitze so gut gefallen hatte, wollen Andrea und ich uns heute eine ähnliche Unternehmung im gleichen Gebiet anschauen: den Südwestgrat des Gerberkreuzes. Der Zustieg und die Klettermeter sind hier etwas länger (und letztere auch anspruchsvoller, wie sich herausstellen wird), dafür gibt es die Möglichkeit die Tour im Abstieg mit der Bergbahn zu verkürzen. So verbringen wir heute abermals einen wunderschönen Tag in der einzigartigen Landschaft des Karwendels hoch über Mittenwald.

Los geht es am Parkplatz der Karwendelbahn in Mittenwald über den bezeichneten Steig vorbei am Abzweig zur Viererspitze auf ca. 1.450 m ...



Blick Richtung Lindenkopf, zu dem wir ab der Mittenwalder Hütte rüberqueren.

... zur Mittenwalder Hütte.


Nun folgen wir der Beschilderung zum Lindenkopf und ...


... queren auf einem schönen Steig


... einige Rinnen ...





Rückblick auf den schönen Steig

Große Arnspitze links, Wetterstein rechts

... und steigen schlußendlich auf zum Sattel wenige Meter entfernt vom Gipfel des Lindenkopfs. Von hier sieht man den unteren Südwestgrat des Gerberkreuzes gut ein. Die Wegfindung ergibt sich auf Sicht automatisch - im Sattel bei der ersten Verzweigung links, an der nächsten Verzweigung rechts und zu letzt links aufwärts zu einem Fixseil, das durch eine Schrofenstufe von ca. 7 m in den oberen Schuttbereich führt.


Über den Latschen queren wir entlang der Wand zurück nach links ...

Die große "abgesprengte Schuppe"


... und kommen so nach knapp 2 h am Einstieg an.


Hier hat man bereits einen hervorragenden Tiefblick nach Mittenwald.


Leider ist es nicht so sonnig wie erwünscht und es weht ein kalter Wind.




Nach einer kurzen Stärkung steigen wir mit kalten Fingern in die Route ein. Es geht rechts der Kante in plattigem Gelände unschwierig zum Fuß eines großen Kamins. Andrea steigt die erste Länge vor, während ich in den Genuß  der zweiten Länge (mit Abstand die schönste der Route) komme. Diese führt etwas links des Kamingrunds in tollem, recht steilem, aber immer griffigem Fels nach oben.

Blick in den Kamin vom 1. Stand




Rückblick 2. SL links (im Aufstiegssinn) des Kamins)

Verlängerung des Kamins in einer seichten Rinne


Die 3. SL führt in wenigen Metern in eine Scharte, von wo es in der 4. SL den nächsten Aufschwung hoch geht.

Erste Meter der 4. SL


Nachdem man sich tendenziell die ganze Länge rechts hält, geht es ab dem kleinen Pfeilerkopf mit Abseilhaken zurück nach links. Um keinen Stress mit Seilzug zu bekommen, mache ich hier Zwischenstand.

Rechts oben der kleine Pfeilerkopf


Stand auf dem Pfeilerkopf

Andrea kommt nach in der 4. SL.

Nach dem Pfeilerkopf geht es nach links zurück.

Somit hat Andrea wieder eine kurze Länge ...


... bevor ich in der 5. Länge einen Weg abseits der Route einschlage. Eigentlich ginge es im einfachen, schrofigen Gelände in Rinnen linkshaltend hoch. Weiter rechts lacht mich aber kletterbarer Fels an. Ich komme bei einem Stand mit drei Bohrhaken vorbei, nach dem eine plattige Querung (ca. V-) folgt. In der Folge halte ich mich wieder links und beende die Länge am regulären Stand des SW-Grats kurz unter dem Vorgipfel, ...

Die Route des SW-Grats führt links außerhalb des Bilds nach oben.

... den wir in leichtem Gelände kurz darauf erreichen.


Von hier sieht man schön den Weiterweg entlang des SW-Grats ein, den wir nach kurzer Pause am kurzen Seil antreten.





Rückblick nach den ersten Metern des Gehgeländes am oberen SW-Grat

Zwei Aufschwünge umgehen wir in Schrofen rechts des Grats ...


Gerberkreuz


... bevor wir kurz unter dem Gipfel auf dem sich verengenden und nun sehr ausgesetzten Grat verdutzt vor den letzten zwei SL stehen. Schnell erkennen wir, dass wir links auf ein Band absteigen müssen, um eine kleine Scharte hinter dem sehr ausgesetzten Türmchen erreichen zu können (Türmchen kann wohl auch direkt überklettert werden) - nicht schwierig aber ziemlich ausgesetzt und etwas schrofig-brüchig dieser Abstieg und Quergang.

Wir machen Stand an einem Schlaghaken und Köpfl (es hat zwei Schlaghaken für die man zur Verbindung eine 2,4 m Schlinge bräuchte) ...

Links des Türmchens machen wir Stand, queren unterhalb jenseits des Grats in die kleine Scharte rechts.

Die Scharte, nach der ein Stand an geklebtem Ringhaken folgt

... und erreichen den nächsten Stand jenseits der kleinen Scharte. Von dort steigt man kurz ab und quert ausgesetzt zu einem kurzen, steilen Wandl (IV), das oberhalb in eine leichte Rinne leitet. Es sind nur 2-3 Züge und die Rinne oberhalb ist erreicht. Das Wandl ist mit einem geklebten RInghaken sehr gut abgesichert. Die Stelle ist vergleichbar mit dem Einstieg in den SW-Grat der Viererspitze, allerdings viel ausgesetzter.

Links das kl. Schärtchen, rechts auf dem kleinen Block ist der Stand, von dem man ausgesetzt zum Standpunkt direkt unterhalb des Wandls quert.

Das Wandl von unten

In der leichten Rinne nach dem Wandl

Rückblick in die Rinne

Hier endet die Kletterei und wir packen alles weg. In Gehgelände mit toller Aussicht ...




Rückblick über den Grat


Gerberkreuz



erreichen wir bald den Gipfel des Gerberkreuzes.





Der Weiterweg zum Mittenwalder Höhenweg ist gut zu erkennen und durchgängig mit Steinmännern markiert. Zunächst geht es weiter am Grat ...


... in einen Sattel vor einem Aufschwung.


Die Scharte halblinks wird angesteuert.

Jenseits des Sattels steigt man wenige Meter ab und dann bei rosa Markierungen einen kleinen Aufschwung links nach oben.



Man kommt nach einigen Metern Querung an eine Kante, die man abermals im II. Grad kurz hochsteigt, um bei der ersten Möglichkeit auf Schrofen weiter nach links zu queren.

Rückblick: Man kommt an diese Kante und steigt sie kurz hoch bis man diesseits der Kante zum Standpunkt queren kann.

Wir queren weiter den Steinmännern folgend (obwohl es ab hier auch über den etwas weiter überhalb verlaufenden Grat gehen würde) in schuttigem Geläuf über Rinnen ...


... zum Mittenwalder Höhenweg.





Da das Wetter und die Länge des Abstiegs nicht wirklich einladend sind, kann ich Andrea an der Bergstation von den Vorzügen der sündhaft teuren (EUR 26 p.P.) Gondel überzeugen. So reicht es sogar noch zu einem erfrischenden alkoholfreien Bier zum Abschluss ...

Die unteren 6 SL bis zum Vorgipfel mit der Madonna wurden 2019 saniert. Nötige Zwischenhaken (Bohrhaken) sind vorhanden, wir benötigten keine mobilen Sicherungen. Stand wird an soliden, geklebten Ringhaken gemacht. In und neben der Route findet sich außerdem eine Vielzahl alter Schlaghaken und auch Bohrhaken anderer Routen / der Abseilpiste.

Die letzten zwei SL sind nicht saniert. Das Gelände ist technisch nicht schwierig, aber sehr ausgesetzt. Dafür finden sich Bohrhakenleitern im leichten IIer-Gelände auf dem Weg zum Mittenwalder Höhenweg ...

Insgesamt ist die Route deutlich alpiner als z.B. der SW-Grat der Viererspitze und auch anspruchsvoller, da längere Abschnitte im IV. Schwierigkeitsgrad geklettert werden.

Gehstrecke: 8,6 Km mit 1.500 Hm
Gehzeit: 6,5 h

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