09.09.18

Schwarzer Tag an der Jägerkarlspitze



Die Jägerlkarlspitze liegt etwas vergessen zwischen höheren und häufiger besuchten Nachbargipfeln der Praxmarerkarspitzen im Osten und den Jägerkarspitzen im Westen in der Gleiersch-Halltalkette. Nach Süden entsendet sie einen durch eine plattige Schlucht geteilten Grat, der in lohnenswerter Krxlei an den Gipfelaufbau leitet. Hier geht es im (traditionellen) unteren vierten Grad über ein ca. 15 hohes Wandl äußerst ausgesetzt auf den leichten Gipfelgrat hoch. Dieses Wandl entpuppt sich ohne Seil als ein zu riskantes Hindernis, so dass wir kurz unter dem Gipfel umdrehen und die Jägerkarlspitze stattdessen auf dem Normalweg aus dem Jägerkar besteigen. Beim Abstieg unterläuft mir dann an der letzten Stufe im unteren Kar ein folgenschwerer Fehler, durch den ich die Festigkeit des Gerölls im Kar und in der Folge das Klinikum in GAP näher kennenlernen darf.

Los geht es früh am kostenlosen Parkplatz vor der Grenze an der B2 mit den Rädern am Wiesenhof vorbei auf die Gleierschhöhe und wieder runter zur Isar. In der Abfahrt legt es den Joseph leider, so dass wir erstmal Pause machen und die Schürfwunden an der Isar auswaschen. Wir beschließen erstmal weiter Richtung Ausgangspunkt unserer Tour am Einstieg zum Jägerkar weiterzufahren, trotz recht ramponiertem Rad. Wir lassen es nun recht gemütlich angehen und Joseph schiebt immer wieder bis wir an der Anhöhe ("Kreidenegg") nach der Möslalm erste Blicke auf das Tagesziel werfen können (besser ist es, die Räder vor dem Anstieg zum Kreidenegg zu parken und auf der Umgehung des Kreideneggs die Wanderung zu beginnen).

Links die Jägerkarlspitze mit dem nach rechts unten ziehenden Südgrat

Von hier ein Stückchen bergab, über den Bach und schon stehen wir an der Rohdungsfläche am unteren Ende des Jägerkars, ...


... von wo aus der Jagdsteig ...


... gut ausgeschnitten durch die Latschen ...

Rechts erkennt man die den Südgrat teilende Schlucht; zentral die kleine Stufe im Kar, an der mir am Ende des Tages mein Mißgeschick unterläuft.
... in den unteren Karboden leitet.


Schnell sind wir auf Höhe des Ansatzes des Südgrats ...


... und queren um das obere Ende eines Latschenfelds ...


Rückblick zur Kumpfkarspitze zentral
Auf der anderen Seite des Kars findet sich das Felstor "Porten", welches den Weg zu Katzenkopf und Jägerkarspitzen markiert
... hinüber zum Grat.


Der Ansatz des Südgrats ist recht zerklüftet und ließe sich an verschiedenen Stellen - wenn auch nicht unschwierig - gewinnen.





So queren wir weiter um den Fuß des herum, auch um einmal einen Blick auf den zustieg in das abgeschiedene Jägerkarl zu werfen.

Jägerkarl
An einer günstigen Stelle steigen wir recht weit östlich schließlich auf den Südgrat hoch (3-), ...


... wo uns zunächst harmlose, niedrige Latschen ...


... vor dem nächsten felsigen Aufschwung erwarten.


In sehr schöner Krxlei geht es weiter den Grat hoch.


Jägerkar mit Jägerkarspitzen und Hinterödkopf
In tollem Krxlgelände geht es bei bestem Wetter und in meist solidem Fels ...




Rückblick zum Radldepot am Ausgang des Jägerkars
... durch einige schöne Kamine hoch


... zu einem flachen, begrünten Gratabschnitt, ...


... von dem man erstmals den Übergangs des Grats in den Gipfelaufbau einsehen kann.

Links der weitere Gratverlauf zum Gipfelaufbau der Jägerkarlspitze; zentral die Schlucht, die den Südgrat in zwei Äste teilt.
Hier machen wir bei schöner Aussicht erstmal Pause.

Westl. Praxmarerkarspitze
Stempeljoch

Während der Pause erkennen wir bei genauerer Lektüre des AV-Führers, dass die Originalroute durch die plattige Schlucht, die den Südgrat in zwei Äste teilt, zu unserer Linken führt. Die Schlucht war uns aus dem Kar als möglicher Anstiegsweg aufgefallen. Allerdings verpasst man dann die schöne Krxlei auf dem östlichen Ast des Südgrats, den wir bis hierhin begangen haben und den man auch bis kurz unter den Gipfelaufbau verfolgen könnte (wie wir später erkennen). Außerdem krxlt man in der Schlucht im Schatten ohne Ausblicke und gewinnt den Grat erst kurz unter dem Gipfel, während man auf dem östlichen Südgrat großzügige Ausblicke in freundlicherer Atmosphäre genießen kann. Der Charakter der Tour wird somit grundlegend durch die Entscheidung für oder wider Originalroute beeinflußt.

Nach der Pause queren wir vom östlichen Ast des Südgrats leicht einige Meter in die Schlucht ...


... und steigen in dieser ...


Links der östliche Ast des Südgrats, den wir bis zur Grasfläche begingen
... hoch bis zum Punkt, wo beide Gratäste zu einem scharfem, brüchigem und sehr ausgesetztem Grat zusammenlaufen. 


In fordernder Krxlei ...




... geht es auf scharfer Schneide bis ein Wandl mit gelbem Überhang den Weiterweg versperrt. Der Überhang wird rechtshaltend umklettert: Vom Fuß des Wandls geht es ca. 10 m aufwärts auf einen an das Wandl angelehnten Pfeiler, von wo mit sehr viel Luft unter den Sohlen ca. 2 m nach rechts in einen Riß gequert wird. Es finden sich einige Ringschlaghaken, jedoch haben wir kein Seil dabei.


Joseph steigt bis auf den Pfeiler vor, um die Lage zu erkunden. Schlußendlich ist uns die ausgesetzte Querung zum Riß ungesichert zu riskant und so bleibt uns nur der Rückzug.

Links nochmal der östliche Ast des Südgrats
Durch die Schlucht steigen wir in schönem, teils brüchigem, ...


... nach unten hin eher kompakt-plattigem Geläuf (Stellen 3/3+) ...





... ins Jägerkar ab.


Rückblick zur Schlucht
Da es noch recht früh ist und das Wetter bestens, wandern wir ins hintere Jägerkar, ...


Blick karauswärts nach SW
... wo es über Schrofen ...

Nach rechts oben geht der Aufstieg zur Jägerkarlspitze.
Jägerkarlspitze
Östliche Jägerkarspitze mit ihrer prallen Südwand, durch die mehrere anspruchsvolle Kletterrouten führen.
... und Gras schweißtreibend ...


... hoch zur Jägerkarscharte geht. Hier öffnet sich der Blick nach Norden zur Karwendel-Hauptkette.


Grat zum Hinterödkopf
Weiter geht es am Grat ...


... mit Einblicken in die schaudrige Praxmarerkar-Nordwand ...




... vorbei an der Rinne zum Hinterödboden ...


... in zergliedertes, sehr brüchiges Gelände ...




Blick runter zum Hinterödboden
... unter dem Gipfel der Jägerkarlspitze.


Am Gipfel machen wir bei tollen Ausblicken eine ausgiebige Vesperpause.


Blick nach SW
Westliche Praxmarerkarspitze
Stempeljoch hinten links
Westliche Praxmarerkarspitze vor östlicher Hauptkette
Hier wollten wir eigentlich hochkommen: oberer Südgrat der Jägerkarlspitze, links das Jägerkarl

Über das schuttig-brüchige Geläuf ...


... und die Schrofen ...


... geht es runter in das Jägerkar, ...


Rückblick zur Jägerkarscharte: der Aufstieg vollzieht sich über die Bildmitte nach rechts oben.
Gesamter Anstiegsweg aus dem Jägerkar auf die Jägerkarlspitze über deren Westgrat
... wo wir uns im Kar fälschlicherweise in direkter Linie zentral halten (sowohl am linken als auch rechten Karrand findet sich harmloses Gehgelände) und somit eine kleine Stufe von ca. 4 - 5 m Höhe in den unteren Boden abklettern müssen.


Beim Einstieg in die Stufe bricht mir trotz vorheriger Belastungsprobe ein schulterbreiter Felsbrocken aus, an dem ich beide Hände habe. Mit dem Brocken in den Händen kippe ich durch den Schwung langsam aus der Stufe und falle in die felsigen, latschendurchsetzten Schrofen unterhalb, die ich in der Folge ca. 40 m in wilder Fahrt hinunter kullere. Konsequenz meiner Unachtsamkeit sind zahlreiche Schrammen an Armen und Beinen und eine stark blutende Platzwunde an der Schläfe. Zum Glück hat Joseph Verbandszeug dabei, so dass wir einen Druckverband anlegen können. Angeschlagen steigen wir zu den Rädern ab und machen uns teils fahrend, teils schiebend auf den Weg zur Möslalm. Vorbeifahrende Mountainbiker alarmieren an der Möslalm aufgrund meines desolaten Anblicks die Bergwacht, wie man uns bei unserer Ankunft dort mitteilt. Ehrlicherweise bin ich darüber nicht unglücklich. Nach dem Rückgang des Adrenalins bin ich mittlerweile ziemlich geschafft und der lange Rückweg zum Auto würde sich mehr schiebend als fahrend lange ziehen. Die Wirtsleute der Möslalm ("Ab ins Klinikum, zsammflickn, dann schaust wieda guat aus, weida gehts.") kümmern sich nett um mich, während wir auf die Bergwacht warten, die uns freundlicherweise samt Rädern zum Auto fährt. So endet ein eigentlich schöner Tag in den Bergen im Klinikum Garmisch-Partenkirchen, wo ich an vier Stellen am Kopf genäht werde.

Die Jägerkarlspitze ist ein lohnenswertes, absolut einsames Ziel in der zentralen Gleiersch-Halltalkette. Der Berg ist insbesondere am Gipfelaufbau sowohl am NW-Grat, als auch am Südgrat sehr brüchig, entsprechende Vorsicht ist geboten!

Der Südgrat bietet auf seinem östlichen Ast sehr schöne Krxlei in hier noch meist festem Fels mit tollen Blicken zur Nordkette und den benachbarten Bergen in der Gleiersch-Halltalkette. Der Aufstieg durch die den Südgrat teilende Schlucht, wie im AV-Führer beschrieben,  ist nur bedingt empfehlenswert  und sehr steinschlaggefährdet, wenn sich Gemse am oberen Südgrat aufhalten. Beiden Anstiegen gemein ist der stark brüchige und ausgesetzte Gratabschnitt, der an den Gipfelaufbau leitet und eine deutlich gesteigerte Ernsthaftigkeit zu den Routen bis hierher aufweist. Dieser Abschnitt endet an einer Wand mit gelbem Überhang, der rechtshaltend über einen angelehnten Pfeiler und einen folgenden Riß umkrxlt wird. Dies ist die Schlüsselstelle der Route, die in unproblematisches Gehgelände zum Gipfel überleitet.

Der NW-Grat ("Normalweg") zur Jägerkarlspitze führt über die Jägerkarscharte durch zergliedertes, brüchiges Gelände, das verschiedene Begehungswege zuläßt, im 2. Schwierigkeitsgrat zum Gipfel. Markierungen oder Steinmänner finden sich auch hier nicht. Vom Gipfel genießt man eine großartige Sicht, die nur nach Osten durch die höhere Westl. Praxmarerkarspitze eingeschränkt ist.

Im Abstieg achte man darauf sich im Jägerkar entweder am linken oder rechten Karrand im Geröll zu halten, um die kleine, äußerst brüchige Stufe in der Mitte des Kars zu vermeiden. Am besten wählt man hier (im Abstiegssinn) die rechte Karseite, in der sich deutliche Steigspuren im Geröll zum Felstor "Porten" finden. Von dort führt ein Steig in wenigen Minuten runter zum Jagdsteig im Jägerkar, der schnell durch die Latschen runter zum Pfeis-Fahrweg führt.

Gehzeit: 7,5 h
Gehstrecke: 8,2 km mit 1.470 hm

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