15.04.18

Unterer Spitzhüttenkopf "Plattenfieber" (3 SL, 6) und "Flugverbot" (3 SL, 7)



Wie schon im letzten Jahr ging es heuer - sobald ein schneefreies Durchkommen mit den Rädern bis zur zweiten Wildfütterung im Hinterautal wahrscheinlich erscheint - mit dem Joseph zum plattenschleichen an die tolle Plattenflucht "Im Verbrennten" am Unteren Spitzhüttenkopf. Obwohl das Wetter entgegen der Vorhersage heute ziemlich durchwachsen war (teils stark windig mit einem leichten Schauer), genoßen wir gegenüber den tief winterlichen Nordwände der Gleirsch-Halltalkette einen schönen Frühlingskrxltag in einmaliger Landschaft. Leider habe ich mein Handy im Auto liegen lassen, so dass es dieses Mal kaum Bilder gibt.

Los gehts am P kurz vor der Grenze mit den Rädern durch Scharnitz hinein ins Hinterautal, vorbei am Wiesenhof, hoch zur Gleirschhöhe und in der Folge leicht abfahrend bis hinter unter die markante Plattenflucht am Spitzhüttenkopf. Wie im letzten Jahr ist die Straße genau bis hier geräumt und problemlos zu befahren. Auf dem weiteren Weg zum Isarursprung und der Kastenalm liegt ab hier noch eine geschlossene Schneedecke.

Vom Radldepot geht es auf einer Trasse durch den Wald hoch in Richtung Wandfuß. Kurz bevor man diesen erreicht kreuzt ein Steig die Trasse und man folgt diesem nach Osten (rechts im Aufstiegssinn) kurz durch die Latschen. Nach wenigen Metern gelangt man in Schrofengelände und erkennt weiter oben bereits das wegweisende Fixseil. Wir halten uns rechts des Seils im bereits hier teils plattigen, allerdings noch wenig kompakten und somit teils brüchigen Gelände immer dem besten Fels folgend schräg rechts aufwärts (krxln zwischen 3 und 4) zum großen, die Plattenflucht teilenden Band. Wir erreichen das Band genau auf Höhe der am weitesten im Osten gelegenen Linie "Plattenfieber", die wir somit als erstes unter die Sohlen nehmen.

In superkompaktem, bombigem Fels geht es in der ersten Länge an einer Rißstruktur grade nach oben (6-). Ab hier ist meist reines Reibungsklettern angesagt, das nur von vereinzelten Wasserlöchern unterbrochen wird. Das Steigen auf Reibung ohne Griffe klappt nach kurzer Zeit erstaunlich gut, so dass wir schnell vorwärts kommen. Leider stürmt es in den Längen 2 und 3 (beide 6) teils recht stark und es fängt auch an zu regnen. Schon sehen wir den weiteren Klettertag ins Wasser fallen, was die Stimmung nicht grade hebt. Mit einmal Abseilen (55 m) im unwirtlichen Wetter erreichen wir vom Ende der Route ein Band, von dem leicht zum darunterliegenden Band mit den Einstiegen abgestiegen werden kann.

Wir essen erstmal was und lassen den leichten Schauer ausklingen. Dank des Winds ist der Fels nullkommanix wieder trocken und wir steigen in die "Flugverbot" ein. Hier in der ersten Seillänge wieder das Gleiche wie in der "Plattenfieber": entlang von leichten Rißstrukturen, die gute Griff- und Trittmöglichkeiten bieten, geht es sehr schön grade hoch (6+). In der zweiten Länge ist reines Reibungsklettern auf glattgeschliffenen, weißen Platten angesagt (7), insbesondere die letzten Meter zum Stand habe es in sich. In der letzten Länge hält man sich immer rechts und muß darauf achten, nicht geradeaus zu hoch zu steigen. Es gibt wieder kleine Griffstrukturen (7-). Mit einmal Abseilen kommt man wieder auf das gleiche Band wie von der "Plattenfieber" (ca. 50 m).

Am letzten Stand der "Flugverbot" mit dem Ansatz des Gleirsch Westgrat im Hintergrund
Obwohl es uns natürlich freut, dass uns die nominalen Schwierigkeiten der Linien keine Probleme bereitet haben, sind die Bewertungen in meiner Einschätzung (etwas) zu hoch. Platten sind mit Sicherheit immer etwas speziell und schwieriger zu bewerten, aber im Vergleich z.B. zur Martinswand kommt mir die Bewertung um mindestens einen halben Grad zu hoch angelegt vor. Die Kletterei ist in jedem Fall absolut lohnend und ich möchte an dieser Stelle den Erschließern recht herzlich für ihre Arbeit danken!

Joseph und rechts hinter ihm das tief verschneite Roßloch
Nach zwei gekletterten Linien packen wir das Geraffel weg, da uns der Sinn noch ein bisschen nach Erkundung ohne unnötigen Ballast steht. Wir steigen auf dem Einstiegsband waagrecht, teils etwas absteigend, rüber in den großen Trichter am östlichen Ende der großen Plattenflucht am Unteren Spitzhüttenkopf, wo sich die Routen "Seyffenstein", "Wir sind Kaiser" und "Zur Audienz" finden. An der Engstelle des Trichters empfängt uns der bestialische Gestank einer in den Latschen aufgebarrten Gams - Nase zu und schnell dran vorbei. Der Einstieg der Routen ist noch unter tiefem Schnee verborgen, erst weiter oben sehen wir die ersten Haken blitzen. Schnell legen wir die Rucksäcke ab und steigen ungefähr entlang der Haken die ersten paar leichten Längen der "Seyffenstein" das Gelände links und rechts erkundend auf schönen, strukturreichen Platten nach oben. Der weite Trichterkessel bildet eine beeindruckende Kulisse und wir sind uns schnell einig, dass wir bald hierher zurückkommen werden.

Nachdem wir genug gesehen haben, steigen wir wieder runter zu den Rucksäcken und auf dem großen Schuttstrom grade nach unten zur Isar. Nach Auffüllen der Trinkvorräte geht es auf den Rädern nach einem sehr schönen Tag im geliebten Karwendel wieder zurück zum Auto.

Vor dem Abseilen in der Flugverbot

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