11.11.18

Raffelspitze (2.324 m)


Die Raffelspitze in der nördlichen Karwendelkette, ersterstiegen von H. Schwaiger und Gefährten im Jahr 1890, ist ein einsames Bergziel, ist sie doch selbst im Alpenvereinsführer als "wenig bedeutender Gipfel östlich [sic!] des Bärnalpls" beschrieben. Nichtsdestotrotz oder genau deshalb ist eine Überschreitung des westlich des Bäralpls, genau auf der Bayerisch-Tiroler Grenze liegenden Gipfels über den Südostgrat mit Abstieg ins Hochkar absolut lohnend. Stellen sich dann Mitte November noch beste, spätsommerliche Wetterbedingungen ein, ist die perfekte Zeit gekommen, dem wenig besuchten Gipfel einen Besuch abzustatten.



Mit Andrea geht es in der Dämmerung am Parkplatz an der B2 kurz vor der Grenze los in Richtung Scharnitz. Wie immer nerven die zu schnell fahrenden Autos auf der Bundesstraße gehörig. Da jedoch der Umgehungstunnel bei Scharnitz mittlerweile geöffnet ist, haben wir kurze Zeit später die Straße durch Scharnitz für uns allein. Nach dem anfänglichen Anstieg ins Karwendeltal geht es in der Folge flach mit ersten Blicken zur "Nordkette" ...


... und hoch ins Großkar ...


... schließlich eine weitere Steigung zu der Wildfütterung kurz vor der Angeralm hoch, in deren Nähe wir bei der Abzweigung zweier Forststraßen nach Norden die Räder abstellen. 

Links die Raffelspitze mit SO-Grat im Profil, rechts Bäralplkopf
Auf der linken Forststraße geht es zu einer kleinen Lichtung mit Hochsitz, an deren Ende der schöne Steig hoch zum Bäralplsattel beginnt. Gleich einen Schuttstrom querend zieht der schön angelegte Steig in angenehmer Steigung hoch zum Sattel, ...

Der Bäralplkopf bekommt schon Sonne ab.
Blick auf die andere Talseite zu den Höchsten des Karwendels: Birkkar- und Ödkarspitzen
... der in einer knappen Stunde erreicht ist.

Raffelspitze mit Südostgrat über dem Bäralplsattel
Die westlichen Gipfel der Karwendelhauptkette
Da am höchsten Punkt des Sattels Latschen den Weg zum Beginn des Südostgrats der Raffelspitze versperren, zweigt man über das sanfte Wiesengelände schon vorher westlich weglos ab. 


Steigt man über den Sattel, könnte man unter etwas Höhenverlust den Felsriegel (mit Drahtseil) nördlich problemlos umgehen.

Vom Weg nördlich des Bäralplsattels (unten) könnte man den ersten Felsrigel leicht umgehen.
Über das vertrocknende Gras ...


... erreichen wir bald den Felsriegel, der über ein Band erstiegen wird. Es findet sich dort ein dünnes Drahtseil ...


... an soliden Stahlstiften, ...


... das auf dem leicht abdrängenden Band zur Balance durchaus hilfreich ist.



An der Kante zu mächtigen Erosionsbrüchen geht es ansteigend ...




... zum eigentlichen Einstieg in den SO-Grat, ...


... der sich am ersten Aufschwung durch eine Rinne vollzieht.

Einstiegsrinne in der Bildmitte
Man hält sich in der Rinne rechts, bis man diese auf eine Rippe nach rechts verlässt.


Oben ist bei einer Latsche hinter einer Kante ein Steinmann zu erkennen.


Ein einfaches Band führt um die Kante beim Steinmann ...


... zu einem kurzen Wandl (II), ...



... über das man den Grat erreicht.


Über den flachen, schmalen Grat, der nach rechts plattig abfällt ...



... gelangt man in schrofiges Gelände.


Schrofiges Gelände nach dem schmalen, plattigen Gratabschnitt im Hintergrund

In den Schrofen ...


... erreicht man bald eine erdige Rinne, ...


... die von gelb-brüchigem Gestein abgeschlossen wird. Die Rinne kann einfach nach links wenige Meter unter ihrem höchsten Punkt verlassen werden (I).



Nach der Rinne halten wir uns links im Fels am Grat ...




Bäralplkopf
... hinauf zu einem brüchigen Turm, den wir folglich von links (Süden) erreichen. Auf dieser Seite könnte man den Turm mit einigen Metern Höhenverlust durch eine recht steile, erdige Rinne umgehen (Wegbeschreibung in meinem alten Alpenvereinsführer Karwendelgebirge, 1956). Wir allerdings queren auf einem guten Band auf die Nordseite, auf der das Türmchen einfach umgangen werden kann.

Andrea an der Nordseite des brüchigen Türmchens

In Gehgelände geht es zunächst weiter ...




Hinten sieht man den brüchigen Turm.
Kamm vom Galgenstangenkopf zur Soiernspitze
... bis in kurzen Krxlstellen wieder vereinzelt Hand angelegt werden darf.


Wir halten uns in zerklüftetem Gelände meist direkt am Grat ...



... bis wir an einer gelben Verschneidung kurz in die Nordseite ausweichen ...


... und den Grat dahinter gleich wieder gewinnen.


Kurzweilig geht es in schönem Krxlgelände weiter (I - II-).



Einmal weichen wir abermals kurz in die Nordflanke aus und steigen durch eine steile Rinne wieder auf den Grat (II).



Es folgen die letzten Türmchen, ...


... von denen wir einen auf der Südseite umgehen, ...



... vor dem Gehgelände zum Gipfel, ...


Soiernspitze



... der nun bald erreicht ist.


Was für eine Sicht bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein!


Gipfelstange Raffelspitze (2.324 m)

Hochkarspitze
Blick nach SW


Hochkarspitze Ostgrat
Nach Eintrag ins Gipfelbuch (wir sind heuer die 7. und vermutlich letzte Partie) suchen wir uns etwas unterhalb des Gipfels ein windgeschütztes Plätzchen in der Sonne und genießen die herrlichen Impressionen des geliebten Gebirges.


Der Abstieg erfolgt ganz kurz entlang des schrofigen Südwestgrats ...


... bis zu einer Geröllrinne ...



... über die prima ins Hochkar abgefahren werden kann.




Im Hochkar halten wir uns in Gehgelände am linken Karrand.



Hochkarspitze Südwand
Im Kar flimmert die Luft, ...


... während wir unproblematisch teils über Schrofen, ...


... teils in Abfahrtsschutt schnell an Höhe verlieren.


In einer Latschengasse am linken Karrand vollzieht sich der Abstieg in grobblockigerem Gelände über wenige hundert Meter etwas unkomfortabler.






Kurz nach Ende der Latschengasse kreuzt in Ost-West Ausrichtung bei ca. 1.600 m ein Steig das Kar, der auch bei Openstreetmaps verzeichnet ist. Wir folgen diesem in östlicher Richtung ...



... und queren in wildem Gelände ohne großen Höhenverlust ...


... teils auf deutlichen Pfadspuren, ...



... teils fast weglos ...


Hinten ist der Steig in den Latschen wieder ausgeschnitten.
... an beeindruckenden Türmen vorbei ...





... die Südflanke der Raffelspitze bis wir den Steig runter zur Wildfütterung erreichen.


Blick ins Neunerkar auf der anderen Talseite
Von hier geht es auf der Forststraße schnell zurück zum Ausgangspunkt.

Raffelspitze mit SO-Grat
ACHTUNG: Unsere Abstiegsroute in der Südflanke der Raffelspitze führt durch eine Wildruhezone und sollte unbedingt gemieden werden. Wir haben dies leider zu spät bemerkt und sind dann mit schlechtem Gewissen weiter abgestiegen. Ebenso sollte das Hochkar aus selbigem Grund in den Wintermonaten nicht betreten werden.

Die Überschreitung der Raffelspitze präsentiert sich heute als einsame Traumtour in wunderschöner Landschaft. Obwohl sich die nominalen Schwierigkeiten (T5, II) in Grenzen halten, sollte man für die weglose Überschreitung alpine Erfahrung mitbringen und sich im teils brüchigen, steilen Karwendelgeläuf wohlfühlen. Schöne Krxlstellen gibt es am Grat eher weniger, vielmehr bewegt man sich häufig in steilen Schrofen. Die Ausblicke während der Tour sind klasse, so dass diese eine klare Empfehlung, aufgrund des überschaubaren Zeitbedarfs insbesondere für die Randmonate, erhält!

Gehstrecke: 10,2 km mit 1.170 hm
Gehzeit (ohne Pausen): 5,5 h

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