25.03.18

Martinswand "Kaiser Max Spätlese" (7 SL, 6+)


Endlich! geht es wieder los. Schon am Samstag steigt bei frühlingshaften Temperaturen in München die Vorfreude darauf, nach einem halben Jahr bald wieder Fels in die Hände nehmen zu dürfen. Als Ziel haben Patrick und ich uns schnell auf die sonnenverwöhnte Martinswand bei Innsbruck geeinigt. Eigentlich wollten wir die "Rucola" klettern, doch genau in dieser Route war uns eine Seilschaft um ein paar Minuten zuvor gekommen. Da die Vorbaurouten an der Martinswand alle zwischendurch auch über schuttiges Schrofengelände führen, ist Steinschlag immer ein Thema. So machte es kein Sinn in die "Rucola" einzusteigen und wir nehmen uns die ca. 50 m rechts daneben liegende, etwas schwierigere "Kaiser Max Spätlese" vor.

Los gehts am P2 (P5 ist zur Zeit gesperrt) in wenigen Minuten hoch an den Wandfuß und anschließend auf deutlichem Steig östlich am Fuß entlang zu den Vorbaurouten.

Moin
Die Namen der Routen sind auf Tafeln angeschrieben. Während wir uns am Einstieg vorbereiten, treffen langsam weitere Seilschaften am zuvor noch verlassenen Wandfuß ein. Die Vorfreude ist riesig, auch wenn es beim Einstieg um ca. 9.30 Uhr noch recht kühl ist und ein frischer Wind weht. Die Kraft der Sonne steigt mit jeder Minute und wir legen los!

Einstieg der "Kaiser Max Spätlese"
Jetzt kann's losgehen
In der ersten SL geht es einstimmend gleich recht steil für den Schwierigkeitsgrad, aber gut strukturiert los. Bei der 5er Stelle muss ich kalt kurz schauen, aber es löst sich dann alles gut auf.

Blick vom ersten Stand nach SW
Patrick kommt nach in der 1. SL
In der zweiten SL geht es gleich zu Beginn nicht einfach über einen Bauch (6) in einen 5 m Quergang ...


... und danach einfacher, plattig zum Stand.


Blick nach SO
Blick nach S
Die dritte SL führt über einen kurzen Aufschwung (5-) in einfacheres Gelände.


Blick vom dritten Stand nach SW
Auch die vierte SL beginnt mit einem kurzen Wandl (5), das - langsam aufgewärmt - unschwierig zu klettern ist.


In der fünften SL wird über Schrofen nach links gequert ...



 ... während in der sechsten SL nach einer einfachen Rampe ein ausgesetzter Linksquergang (4+) folgt.




Tiefblick vom sechsten Stand
Nach der sechsten SL legen wir eine kurze Stärkungspause ein und lassen eine Seilschaft passieren, bevor es in die Schlüssellänge geht. Nach einem einfachen Pfeiler (4-) geht es in eine schwierige Plattenstelle (6+). Der Fels ist sehr rauh mit kleingriffiger Struktur. Nach langer Plattenabstinenz war die direkte Linie für mich heute nicht möglich und ich mogelte mich etwas neben der durch die paar Hakerl vorgegebenen Linie über die Platte. Nach dieser Stelle geht es obenraus leichter schnell zum Ausstieg auf dem großen Absatz unter der beeindruckenden Hauptwand. Auch hier waren schon einige Seilschaften, beispielsweise im toll aussehenden Ostriß, am werkeln.
Patrick kommt am Ausstieg an.
Hauptwand
 

 




Rechts der Hauptwand gäbe es jetzt noch einige Möglichkeiten 3 - 4 weitere SL dranzuhängen.

Hier gehen Kaiser Maxl's Krone und Kraftlackl hoch



Wir wollen aber zu fester Zeit zurück in München sein, so dass wir uns nach kurzer Sonnenpause entspannt an den Abstieg (Stellen 1 - 2) machen.


An ein paar Stellen gibt es Drahtseile.


Der Abstieg nach Osten über Schrofengelände von den vor dem Horizont zu sehenden Bäumen auf dem Absatz unter der senkrechten Hauptwand
Im Allgemeinen ist der Abstieg gut zu finden (verblasste grüne und später auch rote Markierungen), wobei man schon die Augen offenhalten muss und kleine Verhauer auf Gamsspuren immer möglich sind.

Zu hoch gequert ...
Wieder am Wandfuß angekommen
 Bald sind wir zurück am Einstieg, lesen den zurückgelassenen Rucksack auf ...


... und steigen schnell runter zum Parkplatz.


Die "Spätlese" bietet stellenweise für den Grad recht steile und ausgesetzte Kletterei im meist sehr guten Fels. Neben diesen wirklich schönen Stellen gibt es aber auch einige Überbrückungsmeter im schuttigen Schrofengelände und - vor allem oben raus - Abschnitte wo nicht alles fest ist. Die Schlüsselstelle der letzten SL mag nicht so recht zur Schwierigkeit der anderen Längen passen und wirkt fremd in der Route. Alles in allem eine schöne Unternehmung, die trotz dieser Punkte und des doch bedenklichen - von anderen Kletterern ausgelösten - Steinschlagrisikos an der Martinswand empfehlenswert ist.

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