17.07.17

Herzogstand NO-Wand "Zum Herzog"


Nach unserer Tour durch die Nordostwand des Herzogstand und meiner Begehung des Nordgrats im letzten Jahr stand fest, dass ich in dieses schöne Gelände eher früher als später wieder zurückkehren würde - auch weil wir damals nicht den von Helmut Zebhauser im Kletterführer "Bayerische Voralpen" (1980) beschriebenen Anstieg durch die Nordostwand genommen hatten und dieser mich weiterhin sehr interessiert. So kehrte ich heuer in Begleitung von Andrea ein gutes Jahr später zurück an die wild-romantische und vor allem einsame Nordseite des Herzogstand. Allerdings muss der klassische Anstieg weiterhin noch etwas warten, da wir erstmal zu sehr gespannt auf die erst wenige Tage alte Mehrseillängentour "Zum Herzog" (eingerichtet und erstbegangen von Daniel Hirsch und Ralf Böhme im Juli 2017) waren. 

Los gehts am wunderschönen Morgen am Kesselbergpass auf dem Reitweg ...

Walchensee
... hoch zum Abzweig des Pionierwegs ...


... und über die Wiesen "Am Alple" ...

In der Bildmitte sieht man den Verlauf der "Zum Herzog" in der unteren Hälfte der Tour vom Grassporn am Wandfuß hoch Richtung Nordgratturm (etwas oberhalb der Bildmitte).


... ran an den Wandfuß. Nun quert man auf Steigspuren westlich entlang der Wand bis zum höchsten an die Wand reichenden Grassporn.

Der Nordgratturm in der Bildmitte oben dient als Orientierungspunkt.
Schon beim Zustieg öffnen sich schöne Blicke auf den Kochelsee ...

Kochelsee
... rüber zum Jochberg und ins Vorkarwendel.


Auf dem Grassporn findet sich ein Steinmann (mit T-Shirt!?) und ca. 10 m rechts unterhalb des Kamms sieht man den mit einer roten Schlinge markierten Einstieg. Unser Aufstieg letztes Jahr vollzog sich etwas weiter rechts die Wand entlang ...

Unser Aufstieg von letztem Jahr vom Grassporn aus gesehen: etwas weiter westlich als die "Zum Herzog". Somit ist nur der Zustieg zur großen Schlucht unterschiedlich, ab der 6. SL sind die Routen identisch.

In der ersten, noch etwas feuchten Seillänge geht es durch eine Rinne zunächst leicht links nach oben um dann anschließend in einer Querung nach rechts den ersten Stand zu erreichen. Die Stände sind bis zum Abseilstand nach der 5. SL mit zwei Bohrhaken, Schlinge und Bindeglied zum Abseilen vorbildlich eingerichtet. 

1. SL: Links durch eine Rinne hoch zum ersten Hakl am linken Bildrand Höhe Bildmitte und dann in einem Rechtsbogen in die rechte obere Bildecke zum Stand
Einstiegsrinne

Rückblick vom ersten Stand
Nach der ersten SL (Stellen IV) geht es in schrofigem Gelände leichter (Stellen III) weiter ...

2. SL

Tiefblick runter zum "Am Alple" 
... bevor man in der dritten SL nach einer kurzen Blockübersteigung in Gehgelände gelangt. 



Hier nahmen wir das Seil auf. Man hält sich in der Folge rechts ...


... entlang am Abbruch zur Schlucht ...

Oben der Nordgratturm über der Schlucht
 ... über einen kurzen Aufschwung (III-)  in der 5. SL ...


... zum Abseilstand (brüchig abklettern geht auch) runter in die Schlucht.



In der Schlucht geht es zunächst feucht ...







... dann trocken in der Sonne mit zwei langen, einfachen SL weiter.



Die Schlucht verengt sich an ihrem Ausgang zu einem steilen Wasserfall
In der 8. SL wird die Schlucht nach links über einen kleinen Wulst (IV+) verlassen ...


... und es folgt eine Querung nach Osten (links) in eine in Falllinie zum Gipfel liegende Schlucht.

Am Ende der Querung: überhalb der Latschen wir auf einem gut gangbaren Band seilfrei rübergequert.
Jetzt steht man unterhalb der vier schönsten Seillängen der Tour (10 - 13): es geht über glatt geschliffene Wasserbecken und Platten in der Schlucht herrlich aufwärts.




Nordgratturm









Nordgratturm von oben
Nach der 13. SL nahmen wir wieder das Seil auf und stiegen über schuttbedeckte Platten (I) ...




... rechtshaltend hoch zur Ausstiegsrinne.


Hier folgt noch mal eine schöne SL in den rechten Begrenzungsplatten der Rinne (IV-) ...


... bevor wir das Seil in den zwei schrofigen Ausstiegsseillängen endgültig wegpackten.


Direkt überhalb der Kuppe befindet sich das Gipfelkreuz des Ostgipfels des Herzogstands.
Am Ostgipfel genoßen wir bei einer Pause den tollen Blick in alle Richtungen ...






... bis wir uns kurz darauf an den schönen Übergang zum Heimgarten machten. Am Schlehdorfer Kreuz ...

Herzogstand Nordgrat im Profil
 ... steigen wir auf einem kleinen Steiglein und weglos runter ...

Nordwand Herzogstand
 ... zur Unteraueralm und ...


... über den Pionierweg zurück zum Ausgangspunkt.


Die westliche Herzogstand Nordostwand läßt sich in drei Bereiche unterteilen. Zunächst steigt man in ein brüchiges unteres Drittel ein, das man überwinden muss, um in die wirklich lohnenden, beeindruckenden Schluchten mit kompaktem, wasserausgewaschenem Fels in der Mitte zu gelangen. Der Ausstieg zum Gipfel im obersten Bereich ist dann wieder schuttig und brüchig.

Die Route "Zum Herzog" bietet eine gesicherte Alternative zum Zustieg in die untere Schlucht östlich des Nordgrats. In den Schluchten gibt es viele Möglichkeiten lohnend nach oben zu steigen, eine Route ist jetzt mit Bohrhaken ausgestattet vorgegeben. Die Absicherung ist völlig ausreichend, aber nicht übertrieben. Die Erschließer haben hier, wie ich finde, umsichtig gehandelt und sich sichtlich Mühe gegeben einen dem Gelände angemessenen alpinen Eindruck zu bewahren. Wiederholer sollten sich trotz der niedrigen Schwierigkeit auf alpines Gelände mit starker Brüchigkeit unten am Einstieg und vor allem oben raus am Ausstieg zum Gipfel einstellen - und auf einen einsamen Tag in wild-romantischer Landschaft an einem der meist besuchten Berge der Bayerischen Voralpen freuen!

Zustieg: knapp 1 h für 3,1 km mit 435 hm
"Zum Herzog": 3,5 h bei 500 hm
Abstieg: 2,25 h für 7,3 km mit 262 hm Gegenanstieg auf dem Pionierweg

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