24.11.17

Jochberg Nordwand Mittelgrat

Links der Mittelgrat
Auf dem Papier ist die Nordseite des Jochberg eine schöne Angelegenheit: kurze Anfahrt, sehr kurzer Zustieg, absolut abgeschiedene Routen auf einen überlaufenen Berg, Kraxln in überschaubarer Schwierigkeit, kein Schneegewühle wegen niedriger Höhe und eine einsame, landschaftlich herrliche Abstiegsalternative zum Normalweg. Anhand dieser Pluspunkte und meiner heuer wohl schon verblassten Erinnerung an diese gache Latschensteigerei im Hauptdolomitsuperbruch letztes Jahr ergab es sich, dass ich auf die im Nachhinein kaum nachvollziehbare Idee kam, das Schönwetterfenster vor dem Eintreffen der nächsten Kaltfront zu einer erneuten Begehung des Mittelgrats zu nutzen. Vielleicht gibt es dort ja doch eine Route mit weniger Latschenkontakt und festerem Fels? Ich habe sie jedenfalls nicht gefunden und werde auf weitere Erkundungsversuche mit Sicherheit erstmal verzichten ...

Los gehts am P bei der Bushaltestelle an der Kesselbergstraße einige hundert Meter unter der Paßhöhe. Über eine Forststraße am ersten Wegweiser vorbei ...

Schau mer mal ...
 ... über ein Geröllbett mit einem ersten Blick auf das heutige Ziel ...

Mittelgrat in der Mitte
... nach dem Ende des Forstwegs auf einem Steig im lichten Wald ...


... zu einem deutlich ausgeprägten Kamm im Wald.


Nun auf Pfadspuren auf dem Kamm neben dem Graben der Jochberg Nordost- und Mittelgrat trennt ...

Hinten schaut der NO-Grat raus.
... an den ersten, schrofigen Aufschwung.

Hauptdolomit in Reinstform, hier ist nix fest.
Die Steilheit des Aufschwungs kommt in den Bildern nicht recht rüber, ist jedenfalls bei der derben Brüchigkeit des Gesteins beachtlich. Der Aufschwung kann 30 m weiter rechts in leichterem Gelände (II), ...

In Aufstiegsrichtung kann man ca. 30 m rechts am Aufschwung entlang queren und in diesem Gelände linkshaltend aufsteigen.
... in der Mitte durch eine Rinne (nach oben kurz III-) ... 

Die Rinne im zentralen Teil des Aufschwungs von oben 
... oder links an der Kante zum Graben (III) erstiegen werden. Ich möchte hier nochmals auf die unbedingte Notwendigkeit einer sorgfältigen Prüfung jedes Griffs und Tritts vor Belastung hinweisen!    

So geht es an der Kante zum Graben zwischen Nordost- und Mittelgrat nach oben.
Nach dem steilen Teil des Aufschwungs orientiert man sich zum Kamm, der östlich in den Graben zwischen Nordost- und Mittelgrat abfällt.


Hier ein absolut windiger Stand (???) aus zwei Seilschlingen an Totholz!


In zunächst freiem Gelände linkshaltend ...


... mit einem ersten Blick runter zum Kochelsee ...


... bald auf Wildspuren kurz durch mäßig dichte Latschen ...


... zu zwei Ahornbäumen ...


... und von diesen links in eine breite, felsige Rinne.


Das Gelände hier erinnert sehr stark an die schöne, plattige Schlucht in der Nordostwand des Herzogstands nebendran. Hier folgt der mit Abstand lohnendste Teil der Unternehmung:


genießbare Kraxlei an plattigem Fels.


Am linken Rand der Rinne trifft man bald auf einen Felsbogen, unter dem eine Verschneidung in festem Fels ca. 7 m nach oben führt. Hier kommt trotz Feuchtigkeit kurzer Kletterspaß auf (IV-/IV; nicht zwingend zu klettern).



Die feuchte Rinne ...


... legt sich daraufhin bald etwas zurück ...


NO-Grat

... und im schrofigen Gelände ...



... geht es hoch ...


... ans Wandl am Ende der Rinne.


Das Wandl wartet abermals mit wenig verlässlichem Fels ...


... in beachtlicher Steilheit auf.


Das Wandl läßt sich entlang von Graspolstern in Querungen durchsteigen. Ich versuchte allerdings eine lohnendere, direkte Variante am Fels zu finden, was mir nicht gelingen wollte. Das Risiko war mir im nicht vertrauenswürdigen Fels zu groß, so dass ich nach wenigen Metern wieder runterstieg und das Wandl lieber wandernd rechts ...


... zur nächsten schrofigen Rinne umging. Hier kommt man auch bei einem Durchstieg des Wandls raus.


Am Ende der Rinne orientiert man sich durch Latschen im Aufstiegssinn eher rechthaltend ...


NO-Grat
... zu den westlichen Abbrüchen des Mittelgrats.

Westliche Abbrüche des Mittelgrats, oben links ist der letzte Aufschwung des Grats zu sehen.

Herzogstand und Heimgarten, unten der P an der Kesselbergstraße


Entlang der Abbruchkante steigt man ein Stück weiter nach oben ...


... bis man an geeigneter Stelle nach links in eine Rinne rübersteigen kann, ...


... die zum letzten Aufschwung des Mittelgrats führt.



Auch hier ist die Felsqualität nicht besser, so dass nochmal höchste Konzentration gefordert ist.


Der Aufschwung von oberhalb
 Nach dem Aufschwung quert man durch hohe Latschen ...





... nach links in ein Bachbett.


Ab hier geht es in grader Linie zum Schluß hin in knackiger Steilheit ...


... durch die letzten, sehr dichten Latschen hoch ...



... zum Normalweg, den man wenige Meter westlich des Gipfels erreicht.

Ich genieße die tolle Sicht ...




... bevor ich über den sanften Kamm nach Osten den Abstieg angehe.


Zunächst in gut gangbarem Schnee ...




... dann auf dem schönen Steiglein ...


... geht es runter in den Sattel zwischen Jochberg und Graseck.


Im Sattel kurz auf einen breiten Wirtschaftsweg, ...


... der nach 50 m auf einem deutlichen Steig rechts runter ...



... in den Graben zum Heckenbach verlassen wird.


Ab jetzt wird in wunderschönem, weglosem Gelände immer entlang des Bachs abgestiegen.




Schnittspuren am Heckenbach




Reste des Neujahrsfeuers    

Zu meiner Überraschung blitzt mir an einer ganz kurzen Abkletterstelle (ein Zug II) an einem kleinen Wasserfall im Bachbett ein neuer Bohrhaken entgegen?! Gibt es hier geführte Canyoningtouren o.ä.?


Der kleine Wasserfall samt Abkletterstelle

Vorbei an schönen Gumpen ...


... und beeindruckenden Felsformationen ...


... erreicht man bald den NO- und Mittelgrat trennenden Graben, der hier auf den Heckenbach trifft. Auf einem Steiglein geht es aus dem Bachbett ...



... in wenigen Metern zur Stelle, an der ich am Morgen auf dem Kamm im Wald Richtung Mittelgrat aufstieg. Somit schließt sich hier die Runde.



Der Jochberg Mittelgrat macht es einem nicht leicht! Trotz der abgeschiedenen, einsamen Route in schöner Landschaft will so recht kein Spaß aufkommen. Man findet nur ganz wenige Meter lohnende Kraxlei, vielmehr bewegt man sich meist in sehr brüchigem Hauptdolomit, der äußerste Vorsicht erfordert. Der teils heftige Latschenkampf kommt dann noch obendrauf. Ich habe heute das Gelände immer wieder neben meiner Route an verschiedenen Stellen inspiziert, konnte aber keine lohnendere Alternative ausmachen. Der Mittelgrat ist vorwiegend steiles bis sehr steiles, brüchiges und latschenbewachsenes Schrofengelände, das nur Freunde genau solcher Unternehmungen erfreuen können wird.   

Strecke: 6,8 km mit 835 hm
Zeit (ohne Pause): 4 h


Die GPS-Messung ist im Bereich der Jochberg-Nordseite leider recht ungenau ausgefallen. Insbesondere der Abstieg vollzieht sich, wie oben beschrieben, direkt am Heckenbach, nicht in den Flanken der Schlucht (wie es im Video den Eindruck erweckt).

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