25.08.17

Hocheisumrahmung


"Die Umrahmung des Hocheiskares ist eine der interessantesten, aber auch längsten geschlossenen Kammklettereien der Berchtesgadener Alpen. Landschaftlich großartig in meist einsamer Berglandschaft." 

Rother Alpenvereinsführer Berchtesgadener Alpen (1990)

Nach der unvorhergesehenen Nebelwanderung vor wenigen Tagen aufs Kammerlinghorn ging es heute in Begleitung vom Joseph erneut in die Berchtesgadener, um die Hocheisumrahmung in der Richtung vom Karkopf über Kammerlinghorn, Hochkammerlinghorn, Hocheisspitze, Hinterberghorn, Hocheishörndl und Vorderberghörndl anzugehen. Nach dem durchwachsenen und von der Vorhersage abweichenden Wetter der Vortage erwischten wir zu unserem Glück "den besten Tag der Woche" (Sennerin der Bindalm) und so konnten wir die Überschreitung bei perfekten Verhältnissen genießen.

Los gehts wie immer mit den Radln am P Holzlagerplatz am Hintersee hinter durchs morgendliche Klausbachtal zur Bindalm und von dort zu Fuß weiter ...



... zur Mittereisalm.




Nur ein paar harmlose Wölkchen am Himmel

Nach der flachen Querung der Almfläche geht es in den Kiefernwald und bald steiler durch eine Rinne ...


... mit tollen Blicken rüber zur bereits erleuchteten Reiteralp ...

Gr. Mühlsturzhorn zentral
... und wenig später auch zu den Loferer und ...


... Leoganger Steinbergen ...


... hoch Richtung erstem Gipfel der Umrahmung, dem Karkopf, ... 


... den wir nach 1,75 h von der Bindalm erreichen. Hier machen wir eine Frühstückspause und genießen den Ausblick. 



Hocheishörndl und Hinterberghorn
Reiteralp
Gestärkt geht es die restlichen knapp 300 hm etwas monoton auf dem breiten Westrücken hoch zum Kammerlinghorn (30 Min. vom Karlkopf). 

Blick nach Osten vom Kammerlinghorn
Hinterberghorn vor Hochkalter
Am Gipfel treffen wir zwei Kameraden aus Österreich, die ebenfalls die Umrahmung machen wollen. Kurze Zeit später stößt noch ein Alleingänger zu unserer losen Gruppe. Wir werden uns den Tag über immer wieder an den schwierigeren Stellen, wo es etwas Zeit braucht, sehen.

Los gehts!
Der erste Turm auf dem Weg zum Hochkammerlinghorn wird über ein Band auf der Nordseite gewonnen. Der Fels ist hier sehr gut und kompakt, so daß die Kraxelei (II) uneingeschränkt Laune macht.


Auf dem ersten Turm
Rückblick zum Kammerlinghorn
Ab dem ersten Turm geht es direkt am Grat weiter ...


... und dann plattig (II) ...



 ... aufs Hochkammerlinghorn.

Joseph auf dem Hochkammerlinghorn, links Hochkalter, rechts Watzmann
Rückblick zum Kammerlinghorn, dahinter Leoganger Steinberge
 Zunächst geht es weiter am Grat, ...

Hinten die Hocheisspitze
 ... dann durch eine Rinne in der Nordflanke ...


... runter zur ersten kurzen IIIer-Stelle.    

Draufsicht auf die erste seilversicherte Stelle
Es hängt ein Seil in dem Wandl, das man aber nicht wirklich benötigt, da sich gute Griffe und Tritte anbieten. 




Aus der Scharte nach dem Wandl geht es in tollem Fels ca. 30 m hoch auf den nächsten Turm.



In der Folge bleibt man wieder direkt am Grat ...



Blick rüber zum Hundstod
... in zunehmend brüchigerem Ramsaudolomit ...



... zum nächsten Turm, ...



... auf dessen Rückseite die nächste IIIer-Stelle wartet. Auch hier hängt wieder ein Seil.



Rückblick zur seilversicherten IIIer Stelle 
Jetzt ist die Hocheisspitze nicht mehr weit, ...


... ein paar Türmchen wollen allerdings noch überklettert werden, ...


... bevor wir in ziemlichem Bruch den Gipfel erreichen (1,25 h ab Kammerlinghorn).

Hinterberghorn vor Reiteralp
Wimbachschneid vor Watzmann Südgipfel
Nach einer Pause geht es unschwierig, aber brüchig direkt am Grat weiter Richtung Hinterberghorn (die Kameraden querten im obersten Hocheiskar zur Scharte zwischen Hocheisspitze und Hinterberghorn, was genauso problemlos möglich ist).



Vorbei am versicherten Abstieg aus der Scharte zwischen Hocheisspitze und Hinterberghorn runter zum Hochfeld ...


... zur Schlüsselstelle im Übergang zum Hinterberghorn. Man quert gutgriffig mit sehr viel Luft unter den Sohlen zunächst ein paar Meter in die Nordwand des Hinterberghorns raus, um dann einen plattigen Aufschwung in verlässlichem Fels zu ersteigen (III-; zwei Kameraden umgingen die Schlüsselstelle auf Querungsspuren im oberen Hocheiskar und stiegen dahinter unschwierig wieder auf den Grat).


Schlüsselstelle vorm Hinterberghorn
Rückblick zur Hocheisspitze
Türmchen zwischen Hochkammerlinghorn und Hocheisspitze
 Danach geht es unkompliziert weiter zum Gipfel des Hinterberghorns (30 Min. von Hocheisspitze).


Vorgipfel Hinterberghorn
Rückblick Hocheisspitze
Watzmann
Steintal-, Ofentalhörndl und Hochkalter
Kammerlinghorn
Der weitere Weg zum Hocheishörndl
 Über den Vorgipfel des Hinterberghorns geht es direkt am Grat weiter ...


 ... bis einen Steinmandl auf schuttige Bänder in die Nordflanke weisen.


Nach den Bändern ...


... wird ein Turm ausgesetzt überklettert.



Der darauf folgende Turm wird einfach gewonnen und ...


... wieder entlang einem Band in der Nordflanke abgeschritten.


Rückblick Hinterberghorn
Der letzte Turm vor dem Hocheishörndl wird in gutem Fels durch eine Verschneidung (II+) auf der Nordseite gewonnen ...




Hocheishörndl
... und auf der Südseite durch einen Riß in die Scharte vor dem Hocheishörndl abgeklettert (III+).




Aus der Scharte geht es an scharfer Kante ...





... hoch aufs Hocheishörndl (1,25 h vom Hinterberghorn).




Hintersee
Eislhörndl
Hier verabschieden wir uns von den Kameraden, die nicht mehr aufs Vorderberghörndl steigen wollen, und setzen nach einer Pause den Weg direkt am Grat (Steinmänner weisen in die Nordflanke - beides ist möglich) ...

Rückblick Hocheishörndl
 ... zum letzten Gipfel des Tages, dem Vorderberghörndl, fort.



Über gelenkschonende Graspolster geht es ...

Hocheishörndl
 ... an den schönen Aufschwung hoch zum Vorderberghörndl (II+) ...



... und schnell hoch auf den Gipfel (30 Min vom Hocheishörndl), ...

Rückblick Hocheishörndl und Hinterberghorn
... von dort auf markierten Steigen über die Todtenlöcher, Hoch- und Mittereisalm in herrlich uriger Landschaft runter zu den Radln an der Bindalm (1,5 vom Vorderberghörndl).


Die Hocheisumrahmung zeichnet sich vor allem durch ihre wunderschönen landschaftlichen Eindrücke und die Homogenität der Schwierigkeiten in den unteren Graden aus. Von Weitem mag man es kaum glauben, dass der III. Grad nur an wenigen Einzelstellen abgerufen werde muß, aber die Kraxlei löst sich stets elegant auf. Der Fels (Dachsteinkalk) ist bis auf rund um die Hocheisspitze (Ramsaudolomit) durchaus brauchbar. Man sollte insbesondere in diesem Bereich auf brüchiges Gestein gefasst sein. Darüber hinaus habe ich diese längste geschlossene Kammkletterei in den Berchtesgadener Alpen mit sehr viel Freude genoßen und kann die klassische Bergfahrt nur absolut empfehlen. 

Strecke: ca. 13, 2 km mit 1.710 hm, plus 8 km mit 330 hm radln
Gehzeit (ohne Pausen): ca. 7,5 h 

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