06.07.17

Scheffauer "Has-Hofer-Trail"


Noch ist es gefühlt nicht allzu lange her, dass die Tourenauswahl durch Schnee eingeschränkt war. Jetzt strahlt die Sonne teils so kräftig, dass die Zeit der nordseitigen Touren schnell gekommen ist. Hier bietet der Scheffauer eine schöne Auswahl: durch die Nordwand gibt es einige traditionsreiche Führen, wie auch schöne neue Routen. Zu Letzteren gehört der "Has-Hofer-Trail" (nach den Erstbegehern Herbert Haselsberger und Mario Hofer), der erst im August 2016 eingerichtet wurde. Der "Trail" führt in 17 Seillängen in meist tollem Fels variationsreich bei guter, aber nicht übertriebener Absicherung in moderater Schwierigkeit auf den westlichen Vorgipfel des Scheffauer.

Wir entscheiden uns heute gegen die Auffahrt mit Radl von Kufstein und steigen stattdessen zu Fuß in knapp 2 Stunden vom Hintersteiner See, um nach der Tour noch eine Abkühlung im See nehmen zu können, über die Walleralmhütten ... 



... zur Kaindlalm ...


... an den Fuß der Nordwand des Scheffauer zu. 





Der Einstieg in die Tour findet sich ca. 15 m rechts eines markanten Kamins bei einer Felszunge und ist mit einer roten Sanduhrschlinge markiert. 


Der Einstieg findet sich ca. 15 m neben dem auffälligen Kamin
Da der Einstieg noch von einem Schneefeld verdeckt war, ...



... stiegen wir über eine Felszunge in die erste Seillänge ein.



Die ersten beiden, schwierigsten Seillängen führen steil in einem Rechtsbogen auf einen Absatz im oben erwähnten Kamin. In der ersten Seillänge steigt man hoch zu einem rechts in die Wand leitenden Band. An dessen Ende geht es gutgriffig grade nach oben. 






Vom ersten Stand wird einem nach links oben leitenden Riß zu einer rauhen Platte gefolgt, die leicht linkshaltend überstiegen wird. 




Nach der Platte lehnt sich das Gelände bis zum Absatz im Kamin zurück. Die ausgesetzte Wandkletterei hat hier bereits ihr Ende gefunden. 





Im Kamin geht es auf einem abdrängenden Band, das heute trocken war und somit kein Problem darstellte, in der linken Begrenzungswand aufwärts, ...


... bis über einen kleinen Wulst aus dieser ausgestiegen werden kann.

Ausstieg aus dem Kamin an dieser Stelle nach rechts aus dem Bild

Hier kommt man aus dem Kamin

Blick runter zum Einstieg


Ab hier wechselt die Route ihren Charakter - es beginnt der merklich leichtere Genußteil der Tour. In tollem Fels geht es abwechslungsreich in zahlreichen Seillängen nach oben. 

Start in die 4. SL 
Immer wieder werden kleine Aufschwünge überklettert



Rückblick 5. SL mit tollen Wasserrillen

6. SL

Kompakter, rauher Fels im Mittelteil


Highlight im mittleren Teil ist eine S-förmige begehbare Wasserrille (7. SL). 



8. SL

Zettenkaiser
10. SL
Nach der 10. SL folgt eine Querung zu einem steilen Wandl, ...

Wandl der 11. SL von oberhalb

... das in schöner Kletterei auf den Grat eines Sporns führt. 


Über den leicht brüchigen Grat ...


... mit kurzem Abstieg runter vom Sporn ...



... und über Gehgelände zu einem Pfeiler mit zwei tollen Verschneidungen (14. SL). 


Verschneidung der 14. SL in Bildmitte

In der ersten Verschneidung

Zweite Verschneidung
Danach ist man beim Wandbuch und hat die Wahl noch zwei weitere, leichte Seillängen dranzuhängen oder diese in Gehgelände zu umgehen.

Am Pfeiler links kann man noch die letzten zwei leichten SL dranhängen
Am Westgrat des Scheffauer geht es über den Schafflersprung in wenigen Minuten zum Gipfel.

GK Scheffauer
 Nach einer Gipfelpause ...




Hackenköpfe, Sonneck und Treffauer

Inntal
 ... steigen wir auf dem Normalweg ab zum Hintersteiner See (1,5 h), wo wir uns ein kühlendes Bad genehmigen.



Die Route beginnt mit der schwierigsten Seillänge in wirklich ansprechender, gutgriffiger Wandkletterei. Es folgt schöne Platten-, Riß-, Rillen- und Verschneidungskletterei. Nach oben raus legt sich das Gelände immer weiter zurück und die Route sucht sich in mehreren Gehquergängen annehmbare Kletterstellen, was auch gelingt. Die Schwierigkeitsbewertung ist kaisertypisch eher streng, die Absicherung gut. Der Fels ist bis auf an ein, zwei brüchigeren Stellen sehr gut. Trotz der vielen Variation fand ich die Tour nach oben raus etwas langatmig, wahrscheinlich weil mir der untere Teil mit Abstand am besten gefiel. Alles in allem auf jeden Fall eine empfehlenswerte Unternehmung im schönen, alpinen Ambiente einer Kaisernordwand.

Strecke: 15 km mit 1.455 hm
Gehzeit: 10 h

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