01.04.17

Leonhardstein "Flora Bohra"


Am nur 1452 m hohen Leonhardstein über Kreuth gibt es in der sonnenverwöhnten Südwand einige der schönsten und längsten Mehrseillängentouren der Bayerischen Voralpen, die man an solch einem Gupf auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Unser heutiges Ziel ist die 2012 eingerichtete Route "Flora Bohra", die sich zu Recht großer Beliebheit erfreut und sich in der kurzen Zeit ihrer Existenz bereits zu einem Klassiker der Voralpen entwickelt hat. Auf den 9 bzw. 10 Seillängen findet man neben tollen Platten auch steile Riss- und Verschneidungskletterei bis zum oberen 6. Schwierigkeitsgrad (UIAA). Die Route bekommt ganztägig viel Sonne ab, so dass eine Begehung so ziemlich ganzjährig möglich sein sollte. Der Vorteil eher früh im Jahr vorbei zu schauen, ist, dass die namensgebende Flora noch nicht so weit gediehen ist, dass der Kletterspass dadurch beeinträchtigt würde.

Los geht's am Parkplatz 3 hinter Wildbad Kreuth Richtung Schwarztennalm ...
P3
... auf breiter Forststraße bis zum deutlichen Abzweig eines alten Forstwegs nach ca. 15 Minuten. Hier zweigt man nach rechts in den schönen Wald am Fuß der Westflanke des Leonhardstein ab.

Blick zum Buchstein aus dem Wald
Der alte Wirtschaftsweg schlängelt sich in mäßiger Steigung durch den Wald bis zu zwei markanten, großen Felsen. Hier zweigt man auf einen weniger deutlich zu erkennenden Steig nach links ab. Der Steig führt auf den sich nach oben hin immer deutlicher ausprägenden Südwestrücken, bzw. -kamm des Leonhardstein. Oben gelangt man so nach Verlassen des Walds an die Kante, die West- und Südwand des Leonhardstein trennt. 


Hier quert man leicht abwärts unter der Südwand ...



 ... bis zum Einstieg der Flora Bohra ca. 20 m schräg links oberhalb einer markanten, freistehenden Eibe. Dank frühen Aufstehens waren wir heute die Ersten am Einstieg. Wenig später kamen aber bereits einige Seilschaften hinterher. Insbesondere am Wochenende sollte man nicht erwarten, alleine unterwegs zu sein.

Einstieg entlang der Kante linkshaltend
Die erste Seillänge taugt gut zum Aufwärmen und ist nicht schwerer als 4-.

Stand nach der ersten Seillänge
Blick vom ersten Stand
Patrick kommt nach
Danach geht es anspruchsvoller über schöne Platten weiter. Direkt die ersten Meter vom Stand weg sind dabei die Schwierigsten in der 2. Seillänge (6-).



Die Route ist von der Sonne verwöhnt.
In der dritten Seillänge geht es plattig weiter bis an den Fuß eines senkrechten Aufschwungs, der über einen Riß gewonnen wird (6). Nach dem Aufschwung geht es an herrlichen Platten mit Wasserlöchern und Wasserrillen weiter Richtung des nächsten Aufschwungs. 

Die Eibe rechts oben wird angepeilt. 



Der Blaubergkamm ist teils noch vom Grüneck verdeckt.


Stand vor dem nächsten Aufschwung, der über einen Riss und eine Verschneidung erklettert wird, ist bei einer einzelnen Eibe.


Der Riss ist im Bild leider rechts abgeschnitten, drüber sieht man rechts oben die folgende Verschneidung. Der eingerichtete Zwischenstand auf dem kleinen Pfeiler rechts unter der Verschneidung sollte genutzt werden, da man sonst oben raus mit sehr starker Seilreibung zu kämpfen hat.   
Blick vom Zwischenstand auf dem kleinen Pfeiler in die Verschneidung (6/6+).


Blick runter vom Pfeiler-Zwischenstand zum Stand bei der Eibe



Nach der Verschneidung folgt ein plattiger Aufrichter, der für mich echt tricky war, ...


Über den Aufrichter geht es hier links nach oben
 ... danach legt sich das Gelände zurück und die Schwierigkeiten sind gemeistert. Die Route sucht sich im schrofigen Gelände den besten Fels, ...





 ... vom letzten Stand (mit Wandbuch) ...



 ... sind es ...


... durch einen einfachen Kamin ...



 ... nur noch wenige Meter bis zum Ausstieg.


 Am Gipfel des Leonhardstein genoßen wir den schönen Ausblick in alle Richtungen.

Buchstein mit der kecken Roßsteinnadel
Hinter dem Blaubergkamm schaut der Guffert vor.
Tegernsee lugt hervor.
 Danach ging es über den Normalweg, ...


 ... später auf einem Pfad entlang der Westwand ...


 ... auf den Aufstiegssteig auf dem Südwestrücken und auf dem Anstiegsweg runter zum Parkplatz


Mir hat die Kletterei auf der Südseite des Leonhardstein sehr gut gefallen. Die "Flora Bohra" bietet variantenreiche Kletterei auf 10 Seillängen (mit Zwischenstand) in sehr gutem Fels - und das nur in einer Stunde Entfernung von München. Entsprechend beliebt ist die Kletterei, was man bei der Planung berücksichtigen sollte. Der Zustieg war für uns einfach zu finden und wir benötigten ca. 45 Minuten bis zum Einstieg und ca. 3,45 für die Flora Bohra, ohne Gas gegeben zu haben. Abstieg über den Normalweg dauerte 1,15 h, wobei der Weg durch den Bergwald schon für sich eine Wanderung wert wäre. Alles in allem eine tolle, absolut lohnenswerte Halbtagesunternehmung. Vielen Dank an dieser Stelle an die Erstbegeher!

P.S.: Auf bergsteigen.com findet sich ein Kommentar, dass es sich bei der Flora Bohra um "tolle leichte abslout stressfrei abgesicherte Routen - gut für Anfänger zum Erfahrung sammeln" handele. Ich verweise hier auf den folgenden Kommentar, dem ich nichts weiter zuzufügen habe!  

Kommentare:

  1. Servus,

    freut mich sehr das euch die Tour gefallen hat. Weiterhin noch vui Spaß in di Berg.

    Gruß Daniel

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  2. Servus Daniel,

    danke Dir! Bin gespannt auf die neue Kreation droben am Herzogstand - werde ich mir bald mal anschauen ...

    Dir auch weiterhin viel Spaß in den Bergen!

    Viele Grüße, Carsten

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  3. ... ja da wünsch ich dir viel Spaß. Ist aber absolut nicht mit der Flora Bohra vergleichbar = ist eher eine rustikale, brüchige Alpintour / zwar recht leicht aber man sollte das Gelände dort droben nicht unterschätzen !! Obacht geben.

    Gruß Daniel

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    1. Danke für den Hinweis, war mittlerweile schon droben ;-). Kannte das Gelände schon davor (www.krxln.de/2016/05/herzogstand-nordostwand.html), deshalb war ich auf die Route gespannt. Kompliment an dich und dein Spezl, die Tour ist umsichtig eingebohrt. Hat uns einen schönen Tag dort oben beschert - danke dafür!

      VG, Carsten

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