03.08.16

Sonntagshorn Nordgrat und Reifelberge Überschreitung

Sonntagshorn Nordgrat im Profil

"Das Sonntagshorn ist der höchste Berg der Chiemgauer Alpen. Aus mancher Sicht ist er auch der schönste - von Norden eine ebenmäßige Pyramide, von Süden reichen Wiesen und Latschen bis zum Gipfel hinauf.

Am Sonntagshorn, den Reifelbergen und bis hinüber zum Dürrnbachhorn scheiden sich Nord und Süd eines Berges so drastisch wie selten irgendwo im Bayerischen Land. Auf der Sonnenseite ist alles grün, am Hauptgipfel borstiges Gras von Rindern und von Menschen vertreten, an den anschließenden Reifelbergen latschenverstrüppt. Im Sommer alles heiß, sonnig, voller Wuchs und Licht.

Auf der anderen Seite aber, im Norden, bricht es bös hinab. Da zerfällt der Berg mit Geschröf, abschüssigen Platten und Steilgeröll. Wild und tot und kalt und im Schatten. Die Erosion der Jahrtausende hat tiefe Furchen geschürft. Die drei gewaltigsten heißen die Kraxenbachgräben.

Das Sonntagshorn und seine Trabanten sind Schulbild für Formationen, für Gestalt und Zerfall.
 Man muss Geschröf und Latschenverhau besonders lieben, also man muss schon zu den masochistischen Bergsteigern zählen, um in solcher Wüstenei herumzukraxeln.

Man muss so ein Kerl wie der alte Lehrer Gmelch sein. Er suchte sich Wege durch diese Ode der tausend Meter hohen Nordfluchten." 

- derchiemgauer.de/Sehenswuerdigkeiten/bergeruhpolding.htm; Abruf 03.08.2016



Heute machten wir uns auf, einen dieser Wege des großen Joseph Gmelch zu erkunden, den er 1892 erstbegangen war - selbstverständlich solo. Dieser Weg sollte uns durch eine Schlucht auf den Scheitel der Hinteren Kraxenbachschneid an den Ansatz des Nordgrat und über diesen zum Sonntagshorn führen. Je nach Befindlichkeit wollten wir von dort unsere Tour noch Richtung Westen über die Reifelberge fortführen, was uns auch gelang.

Sonntagshorn vom Radldepot an der Schwarzachenalm
Vom P am Holzknechtmuseum geht es kurz auf breitem Forstweg zur Schwarzachenalm. Hier werden die Radl abgestellt und auf beschildertem Weg wird weiter ins Hintere Kraxenbachtal aufgestiegen.

Ansatz der Hinteren Kraxenbachschneid
Auf dem Weg ins Hintere Kraxenbachtal erblickt man schon früh die große Schlucht, die die Hintere Kraxenbachschneid vom Kuppelaufbau des eigentlichen Sonntagshorn trennt. 

Die Schlucht in der Bildmitte trennt die Hintere Kraxenbachschneid (rechts) vom Sonntagshorn (links)

Dort wo das Geröll im Hinteren Kraxenbachtal beginnt, quert man Richtung Westen oberhalb von Latschen zum Einstieg in die Schlucht, die man am besten an ihrer linken Begrenzungswand erreicht. 
Oberhalb der Latschen wird rechts zur Schlucht gequert
In der Schlucht ... 


... finden sich neben einfachem plattigen und großblockigen Gelände ... 



... einige steilere Stufen in stets festem und überwiegend gutgriffigem Fels (bis III). 




Man folgt der Schlucht bis zu ihrem höchsten Punkt, der Scharte zwischen Hinterer Kraxenbachschneid und Nordgrat des Sonntagshorn, ...

Blick vom Scheitel zum Aibleck
... der eine schönen Blick zum Chiemsee, ...


... zum Vorderlahnerkopf mit der Mittleren Kraxenbachschneid ...


... und in die Nordwand des Sonntagshorn freigibt, in die man nun einsteigt.


Der schwach ausgeprägte Nordgrat wird bis zum Gipfelaufbau von einer markanten Rinne zertrennt.


Da man sich zum Gipfel des Sonntagshorn leicht rechts aufwärts halten muss, entscheiden wir uns für die rechte Begrenzungsrippe der Rinne. 


Auch hier ist weniger steiles, schrofiges Gelände immer wieder von steileren Aufschwüngen durchsetzt (bis II). 



Das Gestein wird mit zunehmender Höhe immer brüchiger und geht kurz vor dem Gipfel in stark brüchige, schuttige Schrofen über.


 Vom Gipfel genießen wir die tolle Aussicht in alle Richtungen.

Chiemsee
Reiter Alm vor Hochkalter- und Hocheisstock
Hochstaufenstock
Unsere nächsten Ziele: Hirscheck und Vorderlahnerkopf
Den ab der Scharte zwischen den beiden Bergen weglosen Übergang vom Sonntagshorn zum Hirscheck begannen wir mit einem Latschenkampf aus der Scharte zwischen den beiden Bergen in die Südostflanke des Hirscheck. Hier stiegen wir in brüchigen Rinnen zum Grat ... 

Rückblick zum Sonntagshorn

... und querten unter dem Gipfel des Hirschecks in der Nordflanke Richtung Scharte zwischen Hirscheck und Vorderlahnerkopf.


Rückblick zum Hirscheck vom Vorderlahnerkopf. Auf den Bändern unterhalb des Gipfels wird gequert.
Vom Vorderlahnerkopf geht es auf gut ausgeschnittenem Steig schnell zum Reifelberg, ...


Rückblick zum Sonntagshorn mit dem Nordgrat im Profil
... nach dem der weitere Weg zum Fischbachkopf bald wieder von Latschen zugewuchert ist. 


Am Fischbachkopf haben wir in den dichten Latschen Probleme den Steig nach Norden Richtung Adlerköpfe und Adlerkopf Diensthütte zu finden. Diesen erreicht man durch eine Rinne westlich des Gipfels. 

Ab hier führt ein sehr schöner Steig über den Kamm westlich der Vorderen Kraxenbachschneid, der sich auf Höhe der Adlerköpfe gabelt. 


Über den Kamm rechts verläuft der Steig zur Adlerkopf Diensthütte, von der dieses Foto gemacht ist.
Wir nehmen den Abzweig in die Ostflanke der Schneid, der nach kurzer Zeit zur Adlerkopf Diensthütte führt und von dort weiter bis kurz vor den Grund der Dunklen Kammer. 





In der Folge schlängelt sich der Pfad geschickt wieder weiter nach oben in die Flanke weg vom Bachbett im Tal ...


... bevor er kurz vor der Schwarzachenalm am Ende des Rückens hinunter zum Ausgangspunkt führt.

Die Schlucht zum Nordgrat empfanden wir mit ihrem festen Fels in wildem Ambiente als absolut lohnend. Man sollte hier wohl am besten nach einer längeren warmen und trockenen Phase einsteigen. Es finden sich Stellen III- und eine Stelle III, die nicht umgangen werden können. Der Nordgrat wird dann leider zunehmend brüchiger, bietet dafür viele Routenvariationen, so dass man nicht schwieriger als II aufsteigen muss. Der weitere Weg über die Reifelberge ist an einigen Stellen dicht mit Latschen verwachsen. Ab dem Fischbachkopf ist man dann aber wieder lohnend auf einem wunderschönen Steiglein in der wild-romantischen Landschaft der Dunklen Kammer und des Vorderen Kraxenbachtals unterwegs. 

Gehzeit (ohne Pausen): 8 h
Gehstrecke: ca. 18 km mit 1.700 hm

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